Pioneer XDP-30R - Praxistest  auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger
Pioneer XDP-30R

PIONEER XDP-30R - Hi-RES PLAYER  Im Praxistest


PIONEER XDP-30R


Autor: Fritz I. Schwertfeger

Bilder: Pioneer / Fritz I. Schwertfeger

September  2017


Für den heiß umkämpften Markt der Digital Audio Player stellte Pioneer auf der High End 2016 zunächst den portablen Hi-Res Player XDP-100R vor, um recht bald den nobleren und mit zwei Dacs audiophiler ausgestatteten XDP-300R ins Rennen zu schicken. Ein neues Kapitel in Sachen kompakter Portabilität und ausgezeichnetem Klang soll der neue XDP-30R aufschlagen, der auf der diesjährigen High End in München seine Premiere feierte.


PIONEER XDP-30R: ÄSTHET UND ASKET


Die von vielen gerne gelebte aber auch häufig beruflich geforderte Mobilität hat definitiv ihren Preis: Hektik, wechselnde Einsatzorte und generell wenig Zeit für schöne Dinge. Wer also nur selten Gelegenheit hat an seiner vertrauten Musikanlage zuhause hochwertig Musik zu hören, der freut sich über die audiophile Musikreproduktion der modernen, mobilen Hi-Res-Player. 

 

Es braucht im Grunde gar nicht viel, um unterwegs eine persönliche High-End-Anlage dabei zu haben. Ein hochwertiger Kopfhörer, ob nun ein referenziöser In-Ear wie der Astell & Kern AK T8iE oder ein mit Studio-Genen bedachter Over-Ear wie der SE-Monitor 5 von Pioneer und ein portabler Digital Audio Player wie der XDP-30R genügen vollauf. Vor Jahren noch undenkbar, ist es jetzt fast schon wie selbstverständlich möglich, selbst im Hotelzimmer oder auch unterwegs in der Bahn auf hochaufgelöste Studio Master Qualität zurückzugreifen.

 

Und wenn also etwas kaum noch verbessert werden kann, dann macht man es eben noch praktikabler - in diesem Fall kompakter.

 

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PIONEER XDP-30R: JAPANISCHE TRADITIONSKUNST


Man könnte es vielleicht aber auch Tradition nennen. Japanische Ingenieure scheinen geradezu in der Pflicht zu stehen, bei geringen Aussichten einer signifikanten Verbesserung kurzerhand den Pfad der Miniaturisierung einzuschlagen. Heraus kommt dann der XDP-30R, der gerade unterwegs beste Voraussetzungen bietet, sich gar nicht groß bemerkbar zu machen. Denn während seine größeren Brüder mit üppig dimensionierten Display und umfangreicher Ausstattung punkten, gibt er sich als äußerst kompakter aber kompromissloser Klang-Connaisseur zu erkennen.

 

Betrachtet man den XDP-30R genauer, stellt man fest, dass er im Grunde ein Destillat der größeren Modelle, speziell des XDP-300R darstellt aber dennoch einen eigenständigen Charakter mit auf dem Weg bekommen hat. In Sachen Formensprache beließen es die Entwickler nicht auf eine schnöde Maßstabsverkleinerung, sondern verlagerten die charakteristische Phase des aus einen vollen Alublock gefrästen Gehäuses kurzerhand von der linken auf die rechte Seite.  

 

Geradlinig und schnörkellos lässt sich der gerade mal 120 Gramm wiegende HiRes-Player am ehesten beschreiben. Aber auch die gewichtssparend aus Kunstoff bestehende Rückseite, ebenfalls mit je einer Phase auf jeder Seite versehen, weiß zu gefallen.

 

Dass er äußerst gut in der Hand liegt ist ebenfalls ein Ergebnis des Schrumpfungsprozesses. Mit 1,5 cm im Körperumfang geringfügig höher als ein iPhone 6S Plus, zeigt der Pioneer mit seinen Abmaßen von 9,4 cm Länge und 6,3 cm Breite, dass  „klein“ eben auch äußerst sexy sein kann.  

 

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Den aufwändigen Spielereien seiner größeren Brüder entzieht sich der XDP-30R recht elegant und zeigt sich wie bereits erwähnt, kompromisslos reine Musikwiedergabe fokussiert. So fällt beispielsweise auf, dass Pioneer beim XDP-30R nicht auf das Android Betriebssystem setzt, sondern auf das in Kennerkreisen als „highendiger“, weil mit deutlich weniger im Hintergrund operierenden Systemprozessen behaftete Linux.  

 

Das Betriebssystem selbst verwaltet mit flotter Manier nicht nur den 16 GB großen internen Speicher, sondern auch die gesamte persönliche Musikbibliothek, die im Bedarfsfall auf zwei microSD-Speicherkarten a 256 GB Platz findet. Somit stehen insgesamt respektable 528 GB Gesamtspeicherplatz zur Verfügung. Interessant in diesem Zusammenhang wäre es herauszufinden, ob der kleine Pioneer auch die just erschienenen 400 GB micro-SD-Speicherkarten akzeptiert.

 

Platz genug also um sämtlichen Formaten und Auflösungen Platz zu bieten. Nicht umsonst gibt sich der kleine Pioneer als absoluter Formatversteher. Auch das Dekodieren des immer mehr an Fahrt gewinnenden, für HiRes-Streaming optimierten und platzsparenden MQA-Formats ist durch ein nachträgliches Update realisiert worden. Das ist gerade für all diejenigen von Bedeutung, die WLAN basiertes HiRes-Streaming nicht als Nische, sondern als künftigen Standard betrachten. 


PIONEER XDP-30R: MQA - AUS KLEIN WIRD GROß


MQA steht für "Master Quality Authenticated" und wird oftmals fälschlicherweise als eigenständiger Codec betrachtet. Dabei hat Bob Steward, Gründer von Meridian, ein (De-) Kodierungsverfahren entwickelt, das mehrere gordische Knoten durchgeschlagen zu haben scheint.

 

Hochqualitative Studio-Master-Aufnahmen werden mittels eines mathematischen Verfahrens von Ungenauigkeiten und damit Signalverfälschungen auf der Zeitachse bereinigt, was ein natürlicher klingendes Klangbild nach sich zieht. Anschließend wird das riesige Datenvolumen auf das Format einer CD herunterkodiert. Klein genug also um via TIDAL, den Traum von HiRes-Streaming aus dem Internet wahr werden zu lassen.

 

Der Genuss eines Studio Master ohne Laptop oder Computer scheint letztlich nur eine Frage der Zeit zu sein. Es braucht im Grunde nur noch eine überarbeitete TIDAL App, die genau wie ihr Desktop-Kollege auf Mac oder PC das Streamen und die Wiedergabe der Studio Master Files ermöglicht. HiRes-Streaming im eigenen Netzwerk, ohne Bandbreitenprobleme und ohne großartigen Gerätefuhrpark, rückt also sprichwörtlich in greifbare Nähe.

 

Aber genug der Zukunftsvisionen, kommen wir wieder zum hier und jetzt. Ob verlustbehaftetes MP3 oder AAC, verlustfreies FLAC oder ALAC, WAV, AIFF oder hochaufgelöstes Material, alles wird verarbeitet. Bis hinauf zu einer Wortbreite von 32 bit und einer Auflösung von 192 kHz sowie DSD bis 5,6 MHz passiert alles seine durchaus als edel zu bezeichnenden Komponenten im Inneren. Hier greift Pioneer im Grunde ins Feinkostregal und stattet den smarten Player mit hochwertigster Technik aus.

 

So findet sich, wie auch beim XDP-300R, eine Dual-Dac Konfiguration wieder. Allerdings handelt es sich hier um zwei Sabre ES9018C2M Wandlerkäfer des amerikanischen Spezialisten ESS Technology, die schlicht die aktuellere Version darstellen. Um größere Störabstände zu realisieren greifen die Entwickler bei zwei Wandlern gerne auf eine doppelt differenzielle Beschaltung zurück. Jeweils zwei separate Wandlerkanäle werden pro Stereokanal genutzt, die gespeist mit dem Originalsignal und dessen auf den Kopf gestellten Spiegelbild nach der Wandlung ein symmetrisches Signalpaar abliefern.

 

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Während das Nutzsignal sich aus gegenphasigen Signalanteilen darstellt und mittels Doppelung im Zuge eines fein und penibel operierenden Differenzverstärkers herausgebildet wird, löschen sich in gleicher Phase stehende Signalanteile gegenseitig aus. Symmetrie scheint beim XDP-30R ebenfalls generell sehr groß geschrieben.

 

Was auch wiederum die beiden ESS9601K Verstärkermodule und die beiden Präzisions-Clocks jeweils für 44,1 kHz (ungerade Wandlung für die Abtastraten 88,2 kHz / 176,4kHz) sowie für 48 kHz (gerade Wandlung für ganzzahlige Vielfache 96 kHz /192 kHz) für eine feiner gerastete und korrektere zeitliche Abfolge der Daten erklärt. Je präziser und stabiler also die Taktung, desto geringer der klangschädigende Jitter.

 

Experimentierfreudige Besitzer können in diesem Sinne auch in die Phase Locked Loop Schaltung des Pioneer regelnd eingreifen und so die Empfindlichkeit der D/A-Wandler hinsichtlich Jitter-Stabilität beeinflussen. Im ungünstigsten Fall können Tonaussetzer die Folge sein, also lieber mit Vorsicht dosieren. Anhand drei wählbaren Filtercharakteristiken - Sharp / Slow / Short - der ESS Wandler, die über unterschiedliche Phasen- und Amplitudenlinearität auf das Impulsverhalten des Signals Einfluss nehmen, kann eine sehr, sehr subtile Ausrichtung in Richtung persönlicher Klangvorlieben vorgenommen werden.


PIONEER XDP-30R: DOPPELT UNTERHÄLT BESSER


Ein rechenstarker DSP sorgt für internes audio processing und erlaubt unter anderem auch das Upsampling d.h. die Abtastratenerhöhung von von herkömmlichen Abtastraten bis auf das interne Maximum von 32 Bit und 192 kHz. Das durch mathematische Interpolation umgesetzte Upsampling ist nicht unumstritten. Ob dies letztlich dem Klang förderlich ist, kann jeder selber für sich beurteilen. Für mich persönlich scheint lediglich die Hi-Bit Funktion des XDP-30R, die das Musiksignal auf 32 Bit hochjazzt, einen marginal aber wahrnehmbaren klanglichen Vorteil zu bieten.

 

Mit ausreichend Kraftreserven im Rücken, bedienen die beiden Verstärkermodule wahlweise einen unsymmetrischen 3,5 mm oder einen „balanced“ 2,5 mm Klinkenausgang. Der Nutzer hat also die Qual der Wahl und kann sich bei der Auswahl seiner Kopfhörer beruhigt zurücklehnen. Klangschädigende Artefakte kompensiert der "balanced" Ausgang durch die störsignalunterdrückende symmetrische Schaltung. Im fixen statt im variablen Line-Out Modus bietet er sich auch gleich als kompromissloser Zuspieler für den Anschluss an die heimische Anlage an. 

 

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Bleiben wir beim symmetrischen Betrieb der gleich zwei weitere Schmankerl anbietet. Zum einen das sog. ACG – Activ Control Ground, bei dem eine stabilere, störungsresistentere Masseverbindung über eine spezielle Schaltungstopologie der Wandlerausgänge erreicht wird.

 

Ergebnis dieses Aufwandes: Ein nach Angaben des Hersteller nochmals verbessertes, ruhigeres Klangbild. Der BTL – Bridge Tied Load Modus ist für höherohmige Kopfhörer gedacht und stellt laut Pioneer bei einer Impedanz von 32 Ohm noch 150mW pro Kanal zur Verfügung.

 

Beim klassischen 3,5 Klinkenausgang stehen bei gleicher Impedanz des Kopfhörers, laut Hersteller lediglich 75 mW zur Verfügung. Unkritisch anzutreibende, weil mit geringer Impedanz und hoher Empfindlichkeit ausgestattete Kopfhörer, wie die meisten In-Ears oder ein Meze 99 Neo oder ein Audio-Technica ATH-MRS7 fönen hier - bei Bedarf - mit brachialer Lautstärke durch den Gehörgang. Also Obacht, wer seinem Gehör etwas Gutes tun will, achtet sowieso auf die Dauer und Dosierung des Lautstärkepegels.

 

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Wie auch bei seinen größeren Brüdern greift beim XDP-30R eine EU-Richtlinie zur Lautstärkebegrenzung für portable Geräte ein, was oftmals zu Fehlinterpretationen in Sachen Pegelausgabe führt. Auch ein 250 Ohm beyerdynamic DT 990 PRO, der sich nicht symmetrisch anfahren lässt, kann am Pioneer XDP-30R mit ausreichend Pegel gefahren werden, wenn die Lautstärkebegrenzung umgangen wird.

 

Auch hier geht es nicht darum, schädigende Pegel zu erreichen, sondern dem Kopfhörer ausreichend Leistung zuzuführen, um nicht blutleer und kraftlos zu wirken.

 

Die Bedienung der grundlegendsten Funktionen des portablen Players ist über die seitlich im Gehäuse eingelassenen Bedientasten möglich, die vom gegenüberliegenden fein umränderten Lautstärkerad flankiert werden. Das steht mit seinem kupferfarbenen Ton in auffälligen Kontrast zum in anthrazit gehaltenen, dunklen Gehäuse und erlaubt durch die spielfrei und sehr sauber eingefasste Lagerung eine sehr gute Dosierbarkeit des Lautstärkepegels. 

 

In der Hauptsache erfolgt die Steuerung und Einrichtung über den vorderseitigen Touchscreen. Geschützt unter vollflächig und bündig im Gehäuse eingelassenen, kratzresistentem Glas nutzt das Display jedoch nicht die gesamte Höhe und Breite wie beispielsweise der XDP-300R, sondern fällt was die sichtbare Diagonale angeht kleiner aus.

 

Auch bei der Auflösung reichen die 320 x 240 Pixel zwar für eine durchaus anständige und ausreichend scharfe Darstellung der Albencover mehr als aus,  lassen sich aber nicht mit den hochaufgelösten 1280 x 780 Pixel des großen Bruders vergleichen.

 

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Dabei handelt es sich hierbei nicht nur lediglich um eine Sparmaßnahme, sondern um eine Konzentration aufs Wesentliche, die auch handfeste Vorteile mit sich bringt.

 

So muss der kleine Pioneer keine Videos, Photos oder Websites darstellen und kann sich demnach eine geringere Bildauflösung auch leisten. Dies sorgt wiederum durch geringeren Energieverbrauch für eine längere Akkulaufzeit. Puristen werden sowieso das Display nach einigen Sekunden in den Schlaf-Modus ziehen lassen, schon allein um dem Signal einen potentiellen Störfaktor vom Leib zu halten.

 

Das Fehlen von zahlreich im Hintergrund aktiven Systemprozessen des Betriebssystems oder auch entsprechender Apps macht Pioneers eigene „stand alone“ Schaltung hier im Grunde obsolet. Diese schaltet für highendige Wiedergabe potentielle Störenfriede wie WLAN, Bluetooth und auch das Display bei den größeren XDP-Modellen mit einem Knopfdruck aus.

 

Wer beim XDP-30R der Überzeugung ist, dass das bordeigene WLAN (2,4 GHZ/5GHZ) dem Musikgenuss abträglich sein könnte, der schaltet es per einfachen Tastendruck auf den mit acht Bedienflächen auf intuitives und schnelles Handling hin optimierten Homescreen aus. Dann jedoch muss auf den Zugriff cloudbasierter Musikdienste wie TIDAL, Deezer oder Internetradio via TuneIn freilich verzichtet werden. Gleiches gilt auch für den Kurzstreckenfunk Bluetooth, der sich zwar mit dem neuesten Standard 4.0, jedoch ohne das in nahezu in CD-Qualität codierende AptX an Bord wiederfindet.

 

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Speziell beim Kapitel Bedienbarkeit zeigen die Entwickler, dass aus Simplifizierung durchaus auch Genialität erwachsen kann. Das frei konfigurierbare „Home Menü“ ermöglicht die Anwahl der im Alltagsgebrauch wichtigsten Elemente mit einer Berührung, während im Hintergrund das Albumcover der aktuellen Hör-Session durchschimmert.

 

Das obere Drittel dominieren die beiden Hauptlieferanten für Musik, die eigene Musikbibliothek und die Musikstreaming-Dienste, resp. Internetradio. Das Stöbern durch auch noch so umfangreiche Musikbibliotheken geht schnell und ohne sich die Finger wund zu scrollen.

 

Sehr zeitsparend hier wahlweise das alphabetische Tableau, welches per Wischbewegung ins Bild gerufen wird und auch die alphabetische Reiterfunktion, die aktiv wird, sobald der Finger nach unten bewegt wird. Einziger Kritikpunkt vielleicht an dieser Stelle ist die laue Übersichtlichkeit innerhalb der TIDAL App.

 

Während bei der eigenen Bibliothek die Interpreten mit Albumcover am Rand übersichtlich dargestellt werden, zeigt sich bei TIDAL in den neu erschienenen Alben lediglich der Name. Würden auch die Cover eingeblendet werde, wäre es für den Nutzer sicherlich einfacher sich eine Übersicht der neuen Alben und Interpreten zu verschaffen. Gut möglich, dass dies mit dem nächsten App-Update der Vergangenheit angehören könnte.  

 

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Wird das Equalizer-Symbol betätigt, (der audiophile Nutzer wird diesen Menüpunkt erfahrungsgemäß geflissentlich übersehen) lassen sich neben den individuellen klanglichen Vorlieben ferner auch die restlichen, weiter oben erwähnten Parameter zur digitalen Feinjustage einstellen. Ebenfalls im Repertoire: Lautstärkebegrenzung oder auch die dreistufige Verstärkungsanpassung des Ausgabepegels, je nach Art und Empfindlichkeit des verwendeten Kopfhörers.

 

Summasummarum ist die Bedienung und Einrichtung auch für Nichtcomputernerds einfach zu bewerkstelligen und stellt niemanden vor größere Herausforderungen. Positiv hervorzuheben und mittlerweile überall Standard ist die gelungene und auf Anhieb gut sichtbare Darstellung von Format und Auflösung des zugespielten Materials.

 

Lediglich die Einrichtung des TIDAL-Kontos oder die Eingabe des WLAN-Passwortes zur Einbindung ins heimische WLAN könnte zur Geduldsprobe werden. Das kleine Display und die zur Verfügung stehende noch kleinere Tastaturfläche sind im Grunde nur was für Feinmotoriker. Aber hier bietet Pioneer mit seiner für iOS oder Android erhältlichen DuoRemote App kurzerhand eine praktische Lösung an. Per Bluetooth gekoppelt, tauschen sich die beiden Geräte aus und der XDP-30R überträgt seine Inhalte auf das Display des Smartphones. Die Bedienung des Digital Audio Players und auch die Eingabe der Passwörter erfolgen nun bequem über das Smartphone. 

 

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Praktisch ist das Ganze vor allem dann, wenn der Digitale Audio Player in der Aktentasche oder im Rucksack seiner Arbeit nachgeht und man sowieso das Smartphone permanent bemüht und in der Hand hält.

 

Während das Display des XDP-30R das Cover und sämtliche Wiedergabe-informationen feilbietet, zeigt sich über das Smartphone leider kein Cover. Dafür jedoch mit einem Blick welches Stück, welches Format und welche Auflösung derzeit abgespielt wird. Praktisch. 

 

Die Visualisierung gelingt Pioneer ansprechend und gut, sowohl Tracksteuerung als auch Lautstärkeregelung oder auch Pausieren funktionieren über das Smartphone ohne Schwierigkeiten oder nennenswerte Zeitverzögerung. Zu wünschen ist lediglich, dass mit kleineren Updates auch der Zugriff auf die Bibliothek über das Smartphone hinzukommt um auf diese Weise auch Interpret / Alben zu wechseln.

 

Ein weiteres im Alltag wichtiges Kriterium für einen DAP ist seine Akkulaufzeit. Pioneer selbst gibt diese mit 15 Stunden an und tatsächlich hielt der XDP-30R im hiesigen Versuch mit den genügsamen V-Moda Zn bei leiser, gehörschonender aber noch vernünftig wahrnehmbaren Lautstärke die angegebene Laufzeit und sogar noch ein kleines Stückchen mehr durch.  


PIONEER XDP-30R: Hörtest


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Der Vergleich zum technisch eigentlich fast identischen XDP-300R drängt sich eigentlich von sich aus aber auch hinsichtlich der unterschiedlichen Betriebssysteme und der dazugehörigen audiophilen Philosophie auf. Ist aus dieser Tatsache heraus ein signifikanter Unterschied heraus hörbar?

 

Oder erweist sich diese Behauptung als eine unbegründete und hartnäckige Legende? Klingen die beiden Player identisch? Das sind Fragen, die mir zu Beginn der Hörsessions durch den Kopf gehen.

 

Um es kurz zu machen. In den Hörvergleichen zwischen dem XDP-30R und dem XDP-300R sind keine hervortretenden Unterschiede wahrnehmbar. Wie eigentlich zu erwarten, klingen beide Player bei gleicher Konfigurierung im Grunde identisch.

 

So liefert er sich wiederum indes mit dem Astell&Kern AK 70 ein enges Kopf an Kopf Rennen. Um dieses letztlich mit knappen Vorsprung durch ein Quentchen mehr Finesse in Auflösung und Timing für sich zu behaupten, während der Koreaner tonal einen minimalen Tick sonorer, erdiger und weniger losgelöster eingefasst anmutet. Im Hörvergleich mit einem Smartphone, hier ein iPhone 6S, pulverisiert der Pioneer dessen Wiedergabequalitäten in jeglicher Hinsicht und lässt ihn allenfalls als bessere Fernbedienung agieren.

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So verwöhnt auch der XDP-30R ebenfalls wie sein größerer Bruder mit einer äußerst transparenten, luftig und frei aufspielenden Wiedergabe im Obertonspektrum. Das zeigt sich eindrucksvoll und in aller Deutlichkeit beim Stück "Can You Get To That"  von Mavis Staples aus dem Album - One True Vine.

 

Die großzügig eingestreuten perkussiven Anschläge, die bei zu harscher und glasiger Wiedergabe zu einem unmittelbaren Griff in Richtung Lautstärkeregelung führen, wirken nuanciert und  mit authentischer Körperlichkeit versehen. Und das ohne dabei angestrengt, fahrig oder gar silbrig zu wirken.

 

Da ist sprichwörtlich loderndes Feuer, Glanz und Gloria dabei, ohne in überstrapaziöse Helligkeit zu verfallen. Generell wird in diesem Zusammenhang den ESS Wandlern eine dynamische, zupackende Gangart attestiert, die mit milden oder gar warmweichen Spielarten tunlichst nicht in Verbindung gebracht werden will. Wer ebendies bevorzugt, ist hier genau richtig. 

 

Und auch im Mittenbereich stellt sich wieder dieser in Sachen Farb- und Detailreichtum, schwelgerische Umgang mit der stimmlichen Intonierung ein. Da tut es keinen Abbruch, dass es sich beim Stück "Summer Painter" um die Stimme Bill Callahans aus dem Album Dream River handelt. Sonor und mit klarer Deutlichkeit, als ob er beinahe in Natura neben einem stünde, baut sich der Prophet der reduziert daherkommenden Low-Fi Exegese, in lupenrein-neutraler Tonalität vor dem inneren Auge auf. Hier ist alles vorhanden, Druck, Intension und vor allem Emotion.

 

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Aber auch die Räumlichkeit des XDP-30R weiß hier zu gefallen. Wie auch der XDP-300R liefert er eine besondere Weite und gleichzeitig eine trennscharfe Tiefenausleuchtung, weit in die einzelnen Ebenen des Stücks hinein. Das erlaubt die Wahrnehmung einer sich nach vorne öffnenden Bühne und macht die Musik mehrdimensional und förmlich greifbar.

 

Die im Hintergrund in changierender Manier auf und ab flackernden Klangelemente zeigen sich mit klarer Struktur und Deutlichkeit. Klar nachvollziehbar der Hall im Ausklingen der angeschlagenen Congas.

 

Statt einem kurzen, harten Plopp lassen sich die ausklingenden Hallfahnen förmlich nachspüren. Beeindruckend das Raumgefühl an sich, während die im weiteren Verlauf des Stücks, Schicht für Schicht kaskadierende Instrumentendichte auf ihren Höhepunkt zusteuert. Auch hier und bei noch so komplexen Arrangements bewahrt der Pioneer stets die Übersicht und projiziert das Stück mit intensiver Atmosphäre an die Ohren.

 

In den unteren Oktaven gibt sich der Japaner ebenfalls fest, markant und kultiviert. So zeichnet er die synthetischen Basswellen bei "Sultan´ s Request " von Flying Lotus aus dem Album - Until The Quiet Comes - mit viel Tiefe sowie Fülle, als auch konturierter Straffheit und Akzentuierung nach. Dabei läuft er zu keiner Zeit Gefahr blutleer oder dünn zu wirken, sondern liefert ein Tieftonfundament mit unmittelbaren und anspringenden, fein ausbalancierten Druck. 


Fazit:


Hohe Kunst trifft sich ganz gleich ob in der Architektur oder in der Sterneküche an einem Punkt wieder: Reduktion. Mit dem XDP-30R kreieren die Ingenieure ein audiophiles Konzentrat ihrer größeren Erfolgsmodelle, speziell des XDP-300R. Dass der XDP-30R als kleiner Purist daherkommt, sich weder auf eine OTG Ausgabe noch auf den Zugriff von Inhalten einer im Netzwerk befindlichen NAS einlässt, sieht man ihm mit Blick auf seine hohe Klangkultur gerne nach.

 

Dafür punktet er mit makelloser Verarbeitung, hoher Anfass- und Materialqualität, sowie seinem ansprechenden Äußeren. Eine feine, homogene und gleichzeitig enorm lebendige und dynamische Spielweise sind seine Visitenkarte. Der XDP-30R verbindet ein hohes Maß an Natürlichkeit mit frappierender Räumlichkeit und hoher Musikalität. Sein detailreiches und farbintensives Mittenspiel bewegt sich in erfreulich neutraler tonaler Balance, während sein tief hinabreichendes, straffes und präzises Bassfundament für sonore Unterfütterung sorgt.

 

Dazu gesellt sich zusätzlich noch die Wiedergabefähigkeit von MQA und seine durch regelmäßige Updates sichergestellte Zukunftsfähigkeit - auf Jahre hinaus. Hinsichtlich Güte der eingebauten Komponenten, seiner löblichen Kompatibilität zu fast allen Formaten und Auflösungen, Verarbeitung und Wiedergabequalität ist der XDP-30R schlicht ein absoluter "Bang for the buck".

 

Wenn es darum geht Musik als Ganzes und mit kompromissloser Qualität zu erfahren, gehört der XDP-30R sicherlich für all diejenigen die viel unterwegs sind und einen möglichst platzsparenden, audiophilen DAP suchen, definitiv zur engeren Wahl.  


PIONEER XDP-30R

Pioneer XDP-30R - Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger

 

  • 96 Pkte Klang
  • 85 Pkte Ausstattung
  • 90 Pkte Verarbeitung
  • 90 Pkte Bedienung
  • 100 Pkte Bassqualität
  • 98 Pkte Neutralität
  • 105 Pkte Feindynamik /
    Präzision 

 

Preis: 399,00 Euro 

 

 

Erhältlich im Fachhandel sowie über www.pioneer-audiovisual.eu

 

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