Sendy Audio Aiva / Praxistest auf www.audisseus.de / Fotos: Fritz I. Schwertfeger / www.audisseus.de
Sendy Audio Aiva / Praxistest auf www.audisseus.de

SEndy Audio Aiva - Offener OVer-Ear-Magnetostat


Sendy Audio Aiva


Autor: Fritz I. Schwertfeger

Bilder: Fritz I. Schwertfeger

20. Februar 2022


Zweifelsohne üben Magnetostaten bei den meisten Kopfhörer-Freunden eine spezielle, um nicht zu sagen besondere Faszination aus. Um so erfreulicher, dass ihr anfänglich divenhaftes Verlangen nach bärenstarken, stationären Verstärkern mittlerweile der Vergangenheit angehört. Bestes Beispiel hierfür ist der Sendy Audio Aiva, dessen niederohmige Auslegung sogar einen Betrieb an einem Smartphone, Tablet oder MacBook erlaubt.


Sendy Audio Aiva - Vorausgesetzt natürlich, dass ein klinkenbewährter Anschluss vorhanden ist, denn dem Trend einer drahtlosen Übertragung stemmt sich der Over-Ear-Magnetostat mit dem einprägsamen Namen "Aiva" entschlossen und ziemlich old school entgegen. Er signalisiert unmissverständlich, dass im Sinne einer bestmöglichen Übertragung auf rein analoge, symmetrische Signalführung gesetzt wird. Und auch hier nicht irgendwie, sondern in Form eines geflochtenen, aus hochreinen Kupfer versehenen Kabels, das mit seinen metallversehenen Steckern optisch wie haptisch ordentlich was hermacht. Auffällig die darauf angebrachten, an Drachen oder anderen mystischen Fabelwesen erinnernden Schuppenmuster und der aus Holz gefertigte Kabelsplitter. 

 

Standesgemäß findet sich ein moderner 4,4 mm Pentaconn-Anschluss am Kabelende, während ein mitgelieferter Steckadapter auf klassische 3,5 mm reduziert. Das austauschbare Kopfhörerkabel dürfte nicht nur experimentierfreudige Naturen, sondern auch all diejenigen freuen, die Adapterlösungen per se kritisch betrachten oder lieber auf einen üblichen 6,35 mm Klinkenanschluss zurückgreifen möchten. Die Qual der Wahl überlasst Sendy Audio hier dem Nutzer, denn weder ein zweites Kabel, noch ein Adapter auf das 6,35 mm Format finden sich im Lieferumfang. Dafür aber ein robustes, schwarzes Transportcase, in welchem der offen konstruierten, niederohmigen Sendy Audio Aiva unterwegs, aber auch sonst, sicher verstaut ist. 

 

Sendy Audio Aiva / Praxistest auf www.audisseus.de / Fotos: Fritz I. Schwertfeger / www.audisseus.de
Sendy Audio Aiva

 

Wer Sendy Audio sagt, meint letztlich auch Sivga Electronics. Dahinter wiederum verbirgt sich ein aus dem chinesischen Dongguan stammende Hersteller, der mit Sendy Audio, seine eigene Sekundärmarke für die audiophile Klientel etabliert. Und das unterstreicht der Sendy Audio Aiva, indem er sich von seinem zwar optisch sehr nah angelehnten Sivga Zwilling - P II - nicht nur preislich, sondern auch hinsichtlich Material, Haptik und Treiberfolie doch relevant unterscheidet.

 

Seine Exklusivität dokumentiert der Aiva ganz prominent mit Hinweis auf seine beiden, in aufwändiger Handarbeit gefertigten Treibergehäuse aus Zebrano-Holz. (Dunkles Walnuss-Holz beim P II). In mehreren, teils rein von Hand ausgeführten Arbeitsschritten wird beim Aiva durch mehrfaches Schleifen, Bearbeiten und Lackieren das endgültige, handschmeichelnde Finish erreicht. Nach außen schließt ein Metallgitter neugierige Blicke ins innere ab, lässt aber anhand zahlreicher, sich zur Mitte hin verjüngender Bohrungen eine Ventilierung des Treibergehäuses zu. Das sorgt dafür, dass zurückreflektierter Schall der Treiberfolie akustisch nicht in die Quere kommt. Die abschließende, aufgesetzte schwarze Blende mit entsprechender Musterung wirkt nicht nur stabilisierend, sondern setzt auch optische Akzente. 



Sendy Audio Aiva / Praxistest auf www.audisseus.de / Fotos: Fritz I. Schwertfeger / www.audisseus.de
Sendy Audio Aiva

 

Auch beim magnetostatischen Wandler im Innern der Ohrmuscheln erhält der Aiva eine mit drei Mikrometer hauchdünne aber im Vergleich härtere Folie. Deren Ansprechverhalten verspricht hohe Agilität und Präzision, während ihre geringere Masse im Vergleich zur dickeren (15 Mikrometer), weicheren Folie des P-II auch in Sachen Impulstreue, die Nase deutlich vorn haben dürfte. Bei einem magnetostatischen Wandler finden sich feine, in mäanderform angebrachte Leiterbahnen über die gesamte Fläche der Folie, die beim Aiva zu einer im Grunde trägheitslosen Reaktion seiner 97 mm x 74 mm messenden planaren Membran führen.

 

Liegt das Musiksignal an, versetzt es die zwischen zwei Magnetfelder positionierte Membran in Schwingung. Vorteil hier im Vergleich zu konventionellen Kolbentreibern: Der Antrieb der Membran erfolgt nicht nur partiell, sondern vollflächig. Die Folge sind somit geringere Partialschwingungen, was wiederum mit einer besonders klaren und sauberen Wiedergabe belohnt wird.

 

Sendy Audio Aiva / Praxistest auf www.audisseus.de / Fotos: Fritz I. Schwertfeger / www.audisseus.de
Sendy Audio Aiva

 

Kommen wir zum Tragekomfort, und ich verzichte an dieser Stelle auf weitere Vergleiche mit dem P-II, denn auch hier zeigt sich die mechanisch aufwändigere Detailverliebtheit des Aiva. Dass er stramme 420 Gramm auf die Waage bringt, sieht man ihn auf dem ersten Blick gar nicht an. Optische Leichtigkeit suggeriert nämlich das doppelstrahlig, aber filigran ausgeführte Metallband des Kopfbügels.

 

Mittels einem aus Leder bestehenden Kopfbands und einer an den Metallbügeln raffiniert angebrachten Schiebemechanik, lässt sich der Aiva bequem, passgenau und mit optimaler statt punktueller Gewichtsverteilung auf seinen Träger einstellen. Dazu kommt, dass man in Sachen Anpressdruck ein gutes Maß zwischen strammer Festigkeit und Komfort gefunden hat. Hier trägen auch sicherlich die asymmetrisch geformten und damit der menschlichen Kopfanatomie nachgeformten und zudem satt dimensionierten Ohrpolster ihr Schärflein bei. Interessant auch der hier eingesetzte Materialmix.

 

Einerseits umhüllt perforiertes Leder den Schaumstoff zum Kopfhörer-Gehäuse hin, während weicher Stoff an den Berührungspunkten zur Haut für einen angenehmes Trage-Gefühl sorgt. Die über bewegliche Metallgabeln eingefassten Ohrmuscheln, lassen sich sowohl drehen als auch leicht neigen, so dass auch dadurch eine wie von selbst erfolgende Anpassung an den Träger und somit neben hohem Tragekomfort, auch eine ideale Abdichtung ans Ohr erfolgen kann.

 


Sendy Audio Aiva - HÖRTEST


Sendy Audio Aiva / Praxistest auf www.audisseus.de / Fotos: Fritz I. Schwertfeger / www.audisseus.de
Sendy Audio Aiva

 

Klanglich überzeugt der Sendy Audio Aiva durch seine unaufgeregte, linear ausgelegte Spielweise. Gerade im Vergleich mit dem Audeze LCD-X an einen RME ADI2-DAC angeleint zeigt sich auf, dass er auf das allerletzte Quäntchen Feinauflösung und Hochglanz verzichtet. Was ihm aber keineswegs negativ anzulasten ist, denn dunkel oder warm timbriert klingt es bei ihm keineswegs.

 

Dafür sorgt das ebenfalls sehr neutral und in Richtung hoher Transparenz ausgelegte Mittenband, welches Stimmen dennoch ausreichend Körper und Volumen mitgibt. Tief hinabreichend, aber gleichsam betont flink wie erfreulich schlank und tight eingefasst, ist sein Auftritt in den unteren Frequenzregionen. Hier rumpelt es nicht ganz so mächtig und oppulent, aber von arg schlankem Fuß kann hier keine Rede sein. Bass ist ausreichend vorhanden, aber eben maßvoll im Pegel und sanft abfallend statt überambitioniert.

 

Das macht vielleicht Bass-Heads nicht ganz so glücklich, erfreut aber denjenigen, der hochkomplexe Stücke klar ausdiffernzierbar und mit nachvollziehbarer Tiefenstaffelung erfahren möchte. Gerade bei klassischen Stücken oder intensiver Jazz-Musik ein doch sehr bedeutsamer Pluspunkt. In Sachen Räumlichkeit setzt der Sendy Audio Aiva zwar keine neuen Maßstäbe, lässt sich aber auch vom deutlich teueren Audeze LCD-X nicht einschüchtern. Er überzeugt mit authentischer Tiefenausleuchtung und fasst die Bühnenbreite minimal enger ein als der Audeze. Aber das geht bei dem Preisunterschied auch als absolut in Ordnung durch. 

 


SENDY audio Aiva - Fazit


Der Sendy Audio Aiva ist sowohl zuhause an einem hochwertigen Kopfhörerverstärker, wie auch unterwegs an einem portablen DAP wie dem HiBy R3 Pro, ein erfreulich undivenhaft anzutreibender Magnetostat. Sein ausgewogener, aber gleichsam akkurat und transparent aufspielender Charakter findet sich für gewöhnlich in deutlich teuereren Kopfhörern wieder. Die optische Bandbreite seiner Erscheinung reicht von außergewöhnlich bis exotisch und ist letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Unstrittig lobenswert ist sein angenehmer Tragekomfort, wie auch seine langzeittaugliche, neutral und unaufgeregte Spielweise,  die den Sendy Audio Aiva zu einen Top-Favoriten in seiner Preisklasse erhebt.  


Vertrieb:

audioNEXT GmbH

Isenbergstraße 20

45130 Essen

Telefon: +49 (0)201 5073950

Email: info@audionext.de

 

Erhältlich für 649,00 Euro im Fachhandel oder online via www.audiodomain.de


WEITERE TESTS