GOLDENEAR AON 3

GoldenEar Aon 3 / Im Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger

GOLDENEAR AON 3


Autor: Fritz I. Schwertfeger

Bilder: GoldenEar / Fritz I. Schwertfeger

Juli 2017 


Bei der Aon 3 des amerikanischen Herstellers GoldenEar hat man es mit einem zunächst ungewöhnlich anmutenden Regallautsprecher zu tun. Progressiv im Design, grazil und dennoch mit spürbarer Substanz, eignet er sich nicht nur für kleinere Wohnräume, sondern durchaus auch zur mehr als ordentlichen Beschallung von normalen mitteleuropäischen Wohnzimmern. Auch ein homogenes 5.1 System ist durchaus denkbar und lässt sich mit der GoldenEar Aon 3 und ihrer kleineren Schwester Aon 2 nebst passendem Center und Subwoofer problemlos realisieren. Ihr volles Klangpotential entfalten Regallautsprecher trotz ihrer Bezeichnung in der Regel im Grunde erst bei freier Aufstellung auf entsprechend stabilen Ständern, aber die außergewöhnliche Amerikanerin macht auch auf dem Sideboard oder im Regal eine klanglich gute Figur.

 

GoldenEar Aon 3 / Im Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: GoldenEar / M.A.D. HiFi

Hier spielen dem Lautsprecher nicht nur seine kompakten Abmessungen in die Karten, sondern auch sein aufstellungsunkritischeres  Konstruktionsprinzip. Statt auf die Unterstützung eines gewöhnlichen Bassreflex zu setzen, lassen die Entwickler bei GoldenEar den Tiefmitteltöner der Zwei-Wege-Box lieber innerhalb eines geschlossenen Gehäuses auf zwei passive Radiatoren aufspielen. Das verhindert unliebsame Strömungsgeräusche von vornherein und kommt zudem auch einer wandnahen Aufstellung deutlich zugute.  

 

GoldenEar Aon 3 / Im Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: GoldenEar / M.A.D. HiFi

Nähert man sich der GoldenEar Aon 3 fällt  ihre unübliche Form ins Auge, bei der man zunächst rätselt, ob es sich hierbei um eine pyramidale oder trapezartige Form handelt. Ohne sich auf diese Haarspaltereien zu konzentrieren macht die Ursache dieser Form durchaus Sinn. Denn stehende Wellen, die sich an parallel zulaufenden Gehäusewänden besonders wohlfühlen nimmt man so sprichwörtlich den Wind aus den Segeln. Zusätzliche  Versteifungen im Inneren des Gehäuses sollen Resonanzen ebenso unterdrücken wie die Tatsache, dass sich der  Innenraum nach oben verjüngt und kuppelartig abschließt. Auch die abgerundeten Kanten tragen ihren Teil bei und reduzieren Kantendispersionen, die sich unschön im Klangbild bemerkbar machen.

 

GOLDENEAR AON 3: ZWEI WEGE / VIER CHASSIS

 

Bestückt ist die Aon 3 mit insgesamt vier Chassis, wobei es sich bei den links- und rechtsseitig angebrachten Treibern wie bereits erwähnt, um passive Radiatoren handeln, auf die gerne als wohlfeiler Kompromiss zwischen einem geschlossenem Gehäuse oder einem mit dem typischen Bassreflexrohr ausgestatteten Bassreflexgehäuse zurückgegriffen wird. So lässt sich die Energie des Tiefmitteltöners ähnlich dem Reflexrohrprinzip ableiten und bietet dennoch die Präzision einer geschlossen konstruierten Box ohne deren geringeren Wirkungsgrad in Kauf nehmen zu müssen.  

GoldenEar Aon 3 / Im Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: GoldenEar / M.A.D. HiFi

 

Für den Hochton greifen die Amerikaner auf einem AMT (Air Motion Transformer) zurück, dessen gefalltete Membran für schnelle und präzise Impulse weltweit hoch geschätzt wird. Den Tief-Mittelton übernimmt ein 12 cm Chassis mit einem solide konstruierten und reichlich hinterlüfteten Gusskorb. Zum Einsatz kommen ein besonders leistungsstarkes Magnetsystem und eine hochbelastbare Schwingspule, so dass klaglos auch höhere Auslenkungen umgesetzt werden können, die ein in dieser Größe dimensioniertes Chassis für entsprechenden Tiefgang und Pegel zwangsläufig generieren muss. 

GoldenEar Aon 3 / Im Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: GoldenEar / M.A.D. HiFi

 

Der vorderseitig angebrachte Phase Plug mutet zugegeben ungewohnt an. Anstelle der Staubschutzkappe in der Mitte der Membran residierend, ist er direkt mit dem Polkern verbunden. So hilft er einerseits bei der Reduzierung von Partialschwingungen der Membran, sowie bei der Ableitung von Wärme, die von der permanent ackernden Schwingspule erzeugt wird. Da das Chassis mangels weiterer Kollegen auch die tieferen Regionen bedienen muss, ermöglicht der Phase Plug einen permanenten Kühleffekt, so dass eine höhere thermische Belastbarkeit des Systems möglich ist.

 

Freunde des Bi-Wirings kommen bei der Aon 3 übrigens nicht auf ihre Kosten, dafür überzeugt das Single-Wire-Terminal auf der Rückseite ebenso mit solider Verarbeitung wie der gesamte Lautsprecher überhaupt.


GOLDENEAR AON 3: DYNAMISCH UND FEURIG


Die Aon 3 ist für mich persönlich im Grunde der erste Lautsprecher, der förmlich komplett die Hüllen fallen lassen kann. Die Bespannung beschränkt sich nicht auf den vorderen Bereich, sondern umhüllt den gesamten Lautsprecher und lässt sich nach unten abziehen. Etwas ungewohnt auch die obere, schwarz hochglänzende Abdeckung, die zum Abnehmen der Bespannung ihren Platz räumen muss. Das sieht man so auch nicht alle Tage, aber die GoldenEar Aon 3 will auch alles andere als gewöhnlich sein. Allerdings ist die optische Erscheinung dann eine vollkommen andere, was aber nicht heißen muss, dass sie so nicht gefallen kann. Ein "Naked Bike" hat ja auch seine Fürsprecher, wenn man es mal so herum betrachten mag. 


GOLDENEAR AON 3: HÖRTEST


GoldenEar Aon 3 / Im Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger

 

Die Golden Ear Aon 3 gehört zu den Lautsprechern, die eine lange Einspielzeit benötigen, um Ihr Potential vollends abzurufen. Frisch ausgepackt und uneingespielt, klingt sie zunächst etwas übermotiviert, ungestüm und zu vordergründig. Nach adäquater Einspielzeit bleibt davon zum Glück aber nichts mehr übrig. Viel mehr hat man den Eindruck eine komplett andere Box vor sich zu haben.

 

Angesichts ihrer amerikanischen Herkunft ist sie im Grunde latent mit dem Vorurteil einer eher dominant fülligeren, wärmeren Spielweise vorbelastet, was sich aber glücklicherweise in dieser Form letztlich nicht einstellen will. Um so mehr beeindruckt die Aon 3 mit einer kernigen, temperamentvollen Spielweise, die mit viel Tempo, einer breiten Bühnendarstellung und fantastischer Durchhörbarkeit erste Pluspunkte sammelt.



Singer- / Songwriter

Das zeigt sich besonders gut beim Stück „Reeperbahn“ aus dem Album Alice  von Tom Waits, wenn sie vom Streaming-Verstärker Electrocompaniet EC Living Rena SA-1 in die Pflicht genommen wird. Wohlgefällig hier das für Ihre Größe beeindruckend tiefe und tighte Spiel in den unteren Oktaven. Da ist sowohl Körper, als auch entsprechend Druck vorhanden was umgehend an deutlich größere Lautsprecher erinnert, sobald man die Augen schließt. Bei der Darbietung von Tom Waits und dessen in unzähligen Jahren durch Whisky und Nikotin in Form gebrachten Gesangsorgan wirkt die Amerikanerin sehr beweglich und geschmeidig. Hier bietet sie dem Hörer eine breit ausstaffierte Farbpalette dar und zeigt so mühelos auch die feinsten chromatischen Veränderungen in Tom Waits markdurchdringender Stimme auf. 

 

Ungeachtet  ihrer eher analytischen Detailverliebtheit neigt sie dabei keineswegs dazu, überpräsent oder harsch aufzuspielen. Nein, viel mehr will die Amerikanerin beinahe schon investigativ die verschiedenen tonalen Ebenen aufdröseln, um den Hörer übersichtshalber quasi wie einen Dirigenten vor den Musikern zu stellen und ihm so einen genauen Überblick darbieten zu wollen. Dabei neigt sie keineswegs dazu, krawallig oder ungestüm zu wirken, ihr kultiviertes Spiel im Mittenband verbindet sich mit einer gelassenen Unaufgeregtheit, die das Klangbild sehr durchhörbar und frei von jeglicher Nervosität hält. Statt steril und distanziert im hörrelevanten Grundton zu wirken, liefert sie hier eine hohe Klangfarbentreue und Transparenz ab, die man diesem kleinem Lautsprecher aufgrund seiner topografischen Herkunft wie bereits erwähnt gar nicht zugetraut hat.

 

Letztlich gelingt ihr der Abstieg in die untersten Register zwar nicht mit der Tiefe und Fülle, wie es eine ebenfalls im Hörraum befindliche  Elac FS 247.3 vermag. Aber dieser zugegebenermaßen unfaire Vergleich zwischen einer Stand- und Kompaktbox dient letztlich nur dem Ausloten der Fähigkeiten der GoldenEar. Und diese können sich durchaus sehen lassen, bietet die Aon 3 doch ein sehr sattes und für ihre Größe beeindruckend tiefes Bassfundament. Und auch hier überzeugt sie mit ihrer konturierten, straffen und angenehm tighten Spielweise.

GoldenEar Aon 3 / Im Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger

 

Progressive

Programmwechsel mit „Time Flies“ von Porcupine Tree aus dem Album The Incident. Auch hier zeigt sich das anspringende Temperament der GoldenEar Aon 3 wieder. Das Gitarrenspiel zu Beginn spannt sie mit direkter, energischer Spielweise kraftvoll und greifbar auf. Die Amerikanerin erschafft erfreulicher Weise keine künstliche Räumlichkeit wo keine ist. Sie führt den Hörer lieber mitten ins Geschehen, sozusagen an die vorderen Ränge. Dabei geht sie mehr in die Breite als in die Tiefe und zeigt eine punktgenaue  Lokalisationsfähigkeit auf. Das gemeinsam kommt dem konzentrierten Musikgenuss wiederum dahingehend zugute, dass Wechsel in Sachen Rhythmus und Tempi, mit denen dieses Stück ja reichlich gesegnet ist, nicht wie beiläufig wirken, sondern eine involvierende Wirkung entfalten, die den Zuhörer förmlich am Kragen packt. Während sich die GoldenEar im Oberton unangestrengt fein auflösend und im Mittenband luftig und agil gibt, zeigt sich ihr Spiel in den unteren Registern ebenfalls preußisch aufgeräumt und gleichzeitig straff umrissen ohne aufgebläht zu wirken. 

 

Da wummert nichts und wirkt auch nicht effektheißerisch aufgebläht. Für ihre Größe geht sie bei dem Stück verblüffend tief hinab und glänzt dabei mit einer erdig-dunklen Spielweise. Das stellenweise markig gespielte Schlagzeug dringt füllig und straff in den Hörraum, während sich sauber ausdifferenziert und mit der genau richtigen Timbrierung die einsetzende Instrumentierung von melodischen Gitarrenriffs und energischen Hi-Hats mitreißend in Szene setzt. Da ist tatsächlich ein mehr als amtlicher Spaßfaktor vorhanden bei dem man während erneut die Wiederholungstaste gedrückt wird gar nicht bemerkt, dass gerade 11.40 min vergangen sind.

GoldenEar Aon 3 / Im Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger

 

Electronica 

Speziell das energisch-feine Zusammenspiel von Transparenz, Agilität und Basspräzision der GoldenEar sorgt für baffes Erstaunen, wenn elektronisch geprägte Musik wie beispielsweise das Stück „Sanctuary“ von SBTRKT aus dessen gleichnamigen Album zu hören ist. Gemeinsam mit dem enorm präzise und temporeich aufspielenden Elac Element EA101EQ-G DAC-Vollverstärker stellt sich eine Spielfreude ein, die schlicht eine Klasse für sich darstellt. (Oh boy, the rhythm just kicks A..., sie wissen sicherlich was ich meine?) Was auch hier auffällt, ist die bestechend klare und pfeilschnelle Spielweise, die sich wunderbar mit dem straffen, tighten Tiefton ergänzt. Während manche Lautsprecher sich fast schon zu gemütlich dem Geschehen annehmen, erinnert die gleichzeitig pfundig sonor wie akkurat detailreich und mit reichlich Spielwitz daherkommende GoldenEar Aon 3 eher an die Herangehensweise aktiver Monitore. Auch Unsaubarkeiten im Tiefton sind der Aon 3 vollkommen fremd, so dass sich der erstaunlich tief hinabreichende Bassbereich sonor und nahtlos an das ausdrucksstarke und sehr detailreiche Mitten- und Höhenspiel anschließt. Kurzum, die Aon 3 macht einfach enorm Laune und sorgt mit ihrer lustvollen Spielweise für langzeittaugliches Hörvergnügen, das sich unbemerkbar Stunde um Stunde in die Länge zieht.  


Fazit:


Der Sommer beginnt mit einem respektablen Highlight. Die GoldenEar Aon 3 ist ein absolut außergewöhnlicher Kompaktlautsprecher, impulsiv, dynamisch, weitläufig abbildend und mit äußerst mitreißender Spielweise. Wer Wert auf eine realistisch involvierende Bühnendarstellung, hohe Detailauflösung und eine lebendige Wiedergabe legt, sollte sich an der Amerikanerin fast nicht satt hören können. Sie kann einerseits charmant, sanft und zart mit betörender Schönheit aufspielen, um im nächsten Moment mit ihrem tighten und profunden Tieftonspiel all diejenigen Lügen zu strafen die der Ansicht sind, dass aus kleinen Gehäusen kein vernünftiger Bass entstehen kann. In Ihrer Preisklasse ist die GoldenEar Aon 3 eine hörenswerte Alternative, die so manchen Platzhirsch das Leben schwer machen dürfte. 


GOLDENEAR AON 3

GoldenEar Aon 3 im Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Audisseus.de

         

         GOLDENEAR AON 3

  • 85 Pkte Klang
  • 75 Pkte Ausstattung
  • 85 Pkte Verarbeitung
  • 85 Pkte Abbildung / Räumlichkeit
  • 90 Pkte Bassqualität
  • 85 Pkte Neutralität
  • 95 Pkte Feindynamik/
    Präzision

 

In schwarzer Ausführung für 600,00 Euro pro Stück verfügbar.

 

Vertrieb: 

M.A.D. HiFi 

Weidenstr. 24

D-42549 Velbert

 

Kontakt:

Tel: +49 (0) 2051 4177600

Fax: +49 (0) 2051-4177602

www.golden-ear.de

 

 

GoldenEar Technology 


P.O. Box 141

Stevenson, MD 21153 
USA

 

Phone: 1-(410)-998-9134

Fax: 1-(410)-356-0808

Web: www.goldenear.com

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