Text: Fritz I. Schwertfeger
Bilder: Fritz I. Schwertfeger
14. Dezember 2025
Nach gefühlt langer Ankündigung ist der TDAI-2210, die neueste Streaming-Verstärker-Entwicklung aus den dänischen Soundlabors von Lyngdorf nunmehr erhältlich. Gewöhnliche Verstärker können andere bauen, Lyngdorf schickt den TDAI-2210 gespickt mit reichlich technischer Innovation in Sachen Digitalverstärkung, den neuesten Connect-Streaming-Möglichkeiten und einer außergewöhnlichen Raumeinmessung ins Rennen. Da stellt sich die Frage, ob sich das alles in der Handhabung aber speziell auch klanglich bemerkbar macht. Schauen und vor allem, hören wir genauer hin.
Lyngdorf TDAI-2210 - Verstärker ist heutzutage ja nicht nur Verstärker. Als zentrales Steuerelement kommt ihm besondere Bedeutung zu, zumal er nicht nur die zuspielenden Quellen aufnehmen soll, sondern wie im Fall des Lyngdorf TDAI-2210 auch gleich auf Streamingdienste aus der Cloud oder Inhalte aus dem heimischen Netzwerk zugreift. Das macht bei der Gelegenheit einen externen Streamer oder auch zusätzlichen DAC im Grunde überflüssig, so dass ein Komponentenmäßig recht reduziertes System entstehen kann. Einfach passive Lautsprecher nach Gusto und fertig. Kopfhörer-Aficionados werden dank eines integrierten Kopfhörer-Eingangs nicht außer Acht gelassen, schließlich macht Hörgenuss zu später Stunde ohne andere dabei zu stören, durchaus Sinn.
Aber damit nicht genug, der Lyngdorf TDAI-2210 bietet noch zwei weitere Besonderheiten. Zum einen gibt es mit RoomPerfect, eine der bestens beleumundeten Raumeinmessungen, zur individuellen Korrektur und Anpassung des Klangbilds an akustische Raumgegebenheiten. Und zum anderen, erwartet den Hörer eine außergewöhnliche digitale Verstärkerkonzeption, nämlich das namensgebende True Digital Amplifier. Noch das "Integrated" ergänzt und schon erklärt sich das Kürzel TDAI.
Während Class-A, Class-AB oder auch Class D zu den analogen Konzepten zählen, geht Lyngdorf schon seit vielen Jahren konsequent einen ganz eigenen Weg. Bereits vor deutlich über zwanzig Jahren wurde unter dem damaligen Signet von Tact mit dem Millennium Amp, der ersten Digitalamp vorgestellt. Die Forschung auf diesem Gebiet reicht tatsächlich noch viel länger zurück. Mit einem Seitenblick auf Class-D lässt sich sagen, dass auch das Konzept des vollständigen Digital-Amps, das Prinzip aus hoher Effizienz bei hoher Leistungsausbeute und geringer Hitzeentwicklung vereint, was wiederum auch die kompakte Form des Digitalverstärkers erklärt. In Praxi wird der TDAI-2210 auch nach forderndem, längeren Gebrauch kaum mehr als zart handwarm. Große, viel Raum und Platz benötigende Kühlkörper sind genauso obsolet wie üppig dimensionierte Netzteile nebst riesiger Kondensatoren. Nein, man greift hier getrost auf kompakt bauende und schnelle Schaltnetzteile zurück, die dank störungs-optimierte Schaltungen dem zarten Musik-Signal etwaigen Unbill aus dem Netz von vornherein vom Hals halten.
Bei den Endstufen im TDAI-2210, die kräftige 210 Watt pro Kanal laut Lyngdorf liefern, handelt es sich um die Eigenentwicklung eines besonderes Schaltverstärkers. Der Clou hier: das direkt eingehende PCM-Digitalsignal wird mit einer feststehenden Schaltfrequenz von etwa 400 kHz pulsweitenmoduliert und damit zu PWM. Es erfolgt somit keine Wandlung ins Analoge innerhalb bzw. vor der Endstufe sondern lediglich eine interne Wandlung innerhalb der digitalen Domäne. Das digitale Signal wird ohne unnötige Wandlungsschritte als PWM-Signal quasi unangetastet, bis an die Lautsprecherklemmen geleitet, wo ein davor befindliches Tiefpass-Filter die Schaltfrequenz herausfiltert und so für die Signalrekonstruktion ins Analoge sorgt. Man könnte hier auch zurecht von einem verstärkenden Digitalen Signalprozessor (DSP) sprechen. Dieser erlaubt praktischerweise bei Bedarf auch Eingriffe, die beispielsweise digitales Übersteuern durch Pegelabsenkung verhindern. Oder den Einsatz eines Subsonic-Filters. Was passiert nun mit Eingangsignalen analoger Natur, vom Plattenspieler oder dem Tape-Deck beispielsweise. Tatsächlich sind mir kaum mehr analoge Quellen eingefallen, die Mehrzahl der zuliefernden Quellen sind schlicht digital.
Nun, eine A/D-Wandlung ist unumgänglich und daher kommt am, ich nenne ihn einfach mal „Serienausstattungs“-Analogeingang des TDAI-2210 ein 24-Bit-Wandler von Analog Devices, der AD1939 um genau zu sein, zum Zuge. Dieser, so ließ mich Roland Hoffmann von Lyngdorf wissen, kann tatsächlich auch als D/A-Wandler eingesetzt werden, überzeugte aber was Messwerte und klangliche Meriten angeht am meisten, so dass er bereits beim großen TDAI-3400 in die Pflicht genommen wurde. Für all diejenigen, die einen hochwertigen Plattenspieler verwenden und entsprechend einen ebenso hochwertigen Phono-Pre gibt es das zusätzliche, optionale Analogmodul. Hier nimmt sich der hochwertige A/D-Wandler AK5572 des japanischen Spezialisten AKM (Asahi Kasei Microdevices) auch noch so zarter Analogsignale an. Und noch eine Kleinigkeit, für die analogen Vorstufen-Ausgänge und den Kopfhörer-Ausgang findet ein eigener D/A-Wandler Verwendung und zwar, so schließt sich der Kreis, ein vorhin erwähnter AD1939.
Der Lyngdorf TDAI-2210 ist nicht nur das mittlere von drei Verstärkermodellen, sondern kommt auch mit einer Mid-Size-Größe von 32,5 cm Breite, 30,0 cm und einer Höhe, 10,2 cm in einem wohnraumfreundlichen Format daher. Gerade wer seinen Wohnraum nicht mit einem technischen Gerätefuhrpark ausstatten mag oder ein sehr luftig-aufgeräumtes Ambiente schätzt, dürfte hier auf seine Kosten kommen. Denn der TDAI-2210 verfügt nicht über eine mit Knöpfen überladene Gerätefront, sondern wirkt unaufgeregt und auch zeitlos. Gering auch das Gewicht von lediglich 4,8 kg. Der linsenförmige Knopf zum Ein-und Ausschalten wirkt da geradezu außergewöhnlich klein, aber so stört er keineswegs die optische Wirkung, so dass das gut ins Konzept passt. Zu sehen sind an der Front zentral zwei Dinge. Das große Farbdisplay hinter Glas, welches etwa die Hälfte einnimmt sowie der als besonderes Erkennungs- und Designmerkmal überdimensioniert große Lautstärkeregler. Dieser ist nicht nur optisch außergewöhnlich, auch seine Handhabung ist es. Denn so leichtgängig gelagert und dazu auch exakt mit 0.1 db Schritten fein und genau dosierbar, ist mir bei all den bisher getesteten Gerätschaften, noch kein einziger Regler in die Hände gekommen. Von einem haptischen Erlebnis zu sprechen ist hier also nicht übertrieben. Vor allem zwei Punkte fallen mir hier positiv auf. Via App justiert, gibt es ebenso ein haptisches Feedback und damit man nicht ewig kurbelt, lassen sich gleich drei Pegelreiche fest abspeichern und auf Knopfdruck abrufen. Da hat jemand praxisbezogen mitgedacht, sehr schön.
Dazu kommt eine weitere Besonderheit, und zwar erfolgt besagte Pegelregelung vollkommen verlustfrei. Anders als eine konventionelle oder wenn man so will, gewöhnliche Lautstärkeregelung, die auf ein im Signalweg liegendes Potentiometer zurückgreift, welches die Eingangsspannung regelt, beeinflusst Lyngdorf direkt die Ausgangsspannung der Endstufen. So gibt es keinerlei Umwege über vor- und nachgeschaltete Schaltungen oder den Volume Regler und damit auch keinerlei Einfallstore für die üblichen Störenfriede wie Rauschgrund, Störgeräusche oder Übersprechen. In Praxi kommt noch eine Besonderheit dazu, und zwar die wie ich finde, außergewöhnlich große Bandbreite bei der Feindosierung der Lautstärke. Vielleicht mögen es manche Hörer als irritierend empfinden, dass für temperamentvoll hohen Pegel, je nach Empfindlichkeit der Lautsprecher natürlich, die Anzeige irgendwie bei – 10 oder – 20 db steht. Aber, auf dem Weg dahin, kann über einen weiten Regelbereich zielgenau exakt und hochpräzise genau die Lautstärke eingestellt werden, die für das gewünschte Musikprogramm als passend erachtet wird. Eine grobe Rasterung, bei der entweder ein zu lauter oder zu leiser Bereich erwischt wird, liegt hier in weiter Ferne. Warum so frage ich mich manchmal, will man den Regelbereich mit Blick auf das Phänomen mancher old-school Verstärker relativ klein belassen? Da regelt bzw. dreht man bis maximal 11.00 Uhr auf und dann war es das auch schon. Von einer weiten Spreizung fehlt da jegliche Spur.
Das Gehäuse besteht aus hochwertigem Aluminium, welches in dunkler matter Lackierung gehüllt ist. Lyngdorf bezeichnet das zwar als mattes schwarz, aber es ist eine eher wohnraumfreundliche Variante hiervon, man bekommt ganz sicher keine depressiven Momente davon. Was die Verarbeitung angeht, so kann ich eine hohe Detailgenauigkeit attestieren, das ist preisklassenbezogen mehr als angemessen. Für den Preis darf zurecht einiges erwartet werden und der TDAI-2210 liefert hier durchaus. Erfreulich auch, das keinerlei sichtbare Verschraubungen den wie aus einem Guss wirkenden Eindruck trüben. Für sicheren, vibrationsmindernden Halt sorgen vier dämpfende Standfüße, auch an dieser Stelle wurde mehr Aufwand als üblich betrieben. Selbst nach noch so kritischer Begutachtung gibt es hier schlicht nichts zu kritteln, der TDAI-2210 ist in allen Details hochwertig verarbeitet und durchdacht konzipiert.
So überzeugt beispielsweise mit Blick auf die Rückseite, das modulare Konzept, schließlich zahlt man so letztlich für genau die Konfiguration, die man persönlich auch benötigt. Gleich zwei optionale Erweiterungsmodule bietet Lyngdorf neben der an sich schon recht üppigen Standartkonfiguration an. Ein rein analoges, highendiges Erweiterungsboard sowie ein für intensivere visuelle Anwendungen vorstellbares HDMI 2.1 Modul, aber dazu gleich mehr. Kommen wir zuerst auf die normale Konfiguration, die sich mit Blick auf die Rückseite als durchaus vollständig ausgestattet präsentiert. Sowohl auf analoger, als auch digitaler Ebene muss eigentlich keinerlei Askese oder Verzicht geübt werden, schließlich tritt der TDAI-2210 ja als zentrales Drehkreuz im Hör- oder Wohnzimmer in Erscheinung. Für analoge Zuspieler, wie Phono-Pre für den Plattenspieler, CD-Player, Tape-Deck, Tonbandmaschine oder sei es auch der externe, favorisierte D/A-Wander finden sich zwei unsymmetrische Cinch-Eingänge. Wem das anschlusstechnisch nicht reicht, erweitert mit dem optionalen Analogboard. Das ist nicht nur „highendig“ konzipiert, sondern hält sowohl einen symmetrischen XLR-Eingang, wie auch zwei weitere unsymmetrischen Cinch-Eingänge bereit. Und zusätzlich noch einen MM-Phonoeingang, so dass man sich, sofern nicht vorhanden, keinen externen Phono-Pre zulegen braucht.
Auch digitale Konnektivität ist reichlich vorhanden und zwar in Form von gleich drei koaxialer S/PDIF Eingänge, die mit Auflösungen von bis zu 24 bit / 192 kHz zurechtkommen. Zwei optische Tos-Link Digitaleingänge bieten sich zusätzlich an, sind aber gemäß ihrer originären Spezifikation auf 24 bit / 96 kHz festgelegt. Ein in diesem Bereich tätiger Ingenieur sagte mir vor langer Zeit, dass das „Aufbohren“ von S/PDIF auf 192 kHz zwar technisch möglich, aber nicht im Sinne der Erfinder ist. Sei es drum, die Ingenieure von Lyngdorf werden sich sicher was dabei gedacht haben, wenn sie die optischen Eingänge reglementiert haben. Im Bezug auf Auflösungen und Formate, versteht der TDAI-2210 bis auf DSD und MQA so ziemlich alles, auch hält man sich vom allgemeinen Aufrüstungswettbewerb in Sachen Auflösungen fern, wie die maximale Auflösung von 192 kHz bei sogar 32 bit dokumentiert.
Für den Anschluss an den Rechner, wenn beispielsweise eine Audiosoftware wie Audirvana Studio direkt per USB anstelle von UpNP zum Zuge kommen soll, bietet sich der rückseitige USB-C Eingang an. Zwar finden sich intern hier nicht, die sonst gerne verwendeten Lösungen von XMOS oder die edlen Amanero-Boards, die beispielsweise der Schweizer Hersteller Merason gerne verwendet, aber man kann sich Gewiss sein, dass Lyngdorf nicht umsonst seit etwa zwei Jahrzehnten seine eigene Wege geht und in Sachen Digitaltechnik mehr als nur bestens beleumundet ist. Kleiner Tipp, wenn in der eigenen Musikbibliothek DSD-Files vorhanden sein sollten, übernimmt Audirvana Studio gerne die Konvertierung in PCM.
Kommen wir abschließend zum HDMI-Eingang für den TV, der in der 2.1 Ausbauspezifikation, (aber Obacht, damit ist keine Kanalkonfiguration sondern die technische Variante gemeint) mit einer hoher Datenübertragungsbandbreite aufwartet. Aber es gibt auch noch das erwähnte optionale HDMI-Modul, dass mit gleich zwei weiteren HDMI 2.1 Eingängen (24 bit / 192 kHz) und einem HDMI-Ausgang, beispielsweise für einen Beamer verfügt. Natürlich sind hier dann auch eArc/ARC und auch CEC selbstverständlich. Und vielleicht noch eine Kleinigkeit, denn neben dem üblichen Anschluss von TV oder vielleicht einem highendigen Blu-Ray Player, kann hier bei Bedarf auch auf Streamer, wie dem hier spielenden Eversolo DMP-A6 Master Edition zurückgegriffen werden.
Dessen HDMI-Ausgang verleitet zwangsläufig zu Experimenten hinsichtlich des Anschlusses, schon alleine weil es ihn gibt. Warum, so könnte man sich fragen, sollte man das in diesem Fall nutzen wollen? Muss man nicht, aber man kann, denn das Stichwort lautet Dolby Atmos via Tidal oder Apple Music. Sicher, das mag alles für so manchen eine Spielerei sein, weil der TDAI-2210 das wiederum ja nicht selber dekodiert und so gesehen weiter reichen muss. Aber es eröffnet Möglichkeiten. Und digitale Signale reicht der TDAI-2210 bei Bedarf, per koaxialen Ausgang bis maximal 24 bit / 96 kHz weiter, das kann beispielsweise ein externer Röhren-DAC mit Kopfhörer-Ausgang sein oder schlicht alle sonst noch so denkbaren Konstellationen sein. Aktiv-Lautsprecher sind auch denkbar, wobei der TDAI-2210 mehrere Möglichkeiten anbietet und sogar unter Abschaltung seiner Endstufen als reine Vorstufe agieren kann.
Auch wenn oder gerade weil der TDAI-2210 als Streaming-Verstärker konzipiert wurde, ist analoge Ausgabe natürlich auch möglich. Wahlweise in Form entweder eines symmetrischen XLR-Ausgangs oder einen unsymmetrischen Cinch-Ausgangs. Damit lassen sich nach Gusto entweder externe Endstufen oder falls man das möchte, eben auch Aktivlautsprecher mit vorhandener Anschlussmöglichkeit in die Pflicht nehmen. Sie profitieren auf diese Weise, von den medialen Fähigkeiten des Lyngdorf. Aber nicht nur das, denn der TDAI-2210 erlaubt sogar den Anschluss von bis zu zwei Subwoofern über die analogen Cinch-Ausgänge. Im Setup-Menü lässt sich dann die genaue Übernahmefrequenz einstellen, so dass neben Standboxen oder aufgrund Platzgründen auch Regalboxen mit Subwoofer-Unterstützung, passgenau konfiguriert werden können. Man ist hier so akribisch zu Gange, dass sogar unterschieden wird, zwischen Lautsprecher oder Subwoofer von Lyngdorf und Radiant Acoustics, für die sicherlich maßgenaue Parameter hinterlegt wurden und den als generisch bezeichneten, eben frei benutzerdefinierten, schlicht den im Haushalt vorhandenen Modellen. Nice.
Die allgemeinen Möglichkeiten sind mit Blick auf die aktuelle mediale Bandbreite durchaus weitreichend und erfreulicherweise nicht abschließend. D.h. durch künftige Firmware-Updates können Funktionalitäten hinzukommen sowie Optimierungen an vorhandenen Features erfolgen. Noch etwaig vorhandene Kinderkrankheiten, werden in Bälde durch Firmware-Updates der Vergangenheit angehören. Wer mag, bringt den TDAI-2210 entweder drahtlos über das WLAN oder per rückwärtigem Ethernet-Anschluss ins heimische Netzwerk und damit auch ins Internet. Das ermöglicht Zugang zu unzähligen Radiostationen, während die Connect-Streaming-Möglichkeiten der etablierten Anbieter wie Spotify, Tidal und Qobuz ebenfalls vertreten sind. Das für mich wichtigste Merkmal, Roon Readyness hat der TDAI-2210 direkt an Bord. Chromecast sowie AirPlay 2 und Bluetooth, allerdings ohne die hochwertigen Codecs aptX oder LDAC, eröffnen hinsichtlich musikalischer Zulieferung weitere Möglichkeiten.
Lokale Wiedergabe in Form eines internen Speichers gibt es keine, dafür kann aber eine externe SSD oder ein USB-Stick beispielsweise via passendem USB-Eingang eingebunden werden. UpNP/DLNA ist vorhanden und wird nach und nach ausgebaut, so finden beispielsweise "mconnect" und die erwähnte Musik-Software Audirvana Studio über diesen Weg den TDAI-2210 im Netzwerk. Dank Audirvana- Zertifizierung ist bei Anschluss via USB eine störfreie Vollfunktionalität und auch die Möglichkeit von optimierenden Eingriffen, wie der Signal-Verarbeitung per Processing durch die Audirvana-Software gegeben. Diese rechenintensiven Geschichten funktionieren zwar über den Rechner, aber nicht wenn Audirvana via Linux auf NAS installiert ist. Aber dafür funktioniert das Upsampling via NAS, sei es über den r8brain Algorithmus oder den von SoX. Der TDAI-2210 wird über die Audirvana-App sofort erkannt und kann so Inhalte sowohl aus der Cloud, sowohl Lieblingsradiosender und auch Musik von Qobuz und Tidal, wie auch der eigenen Musikbibliothek zugeliefert bekommen. Erfreulich finde ich, dass hier ein breites Potpourri an Möglichkeiten Möglichkeit in Sachen der Zustellung offen gehalten wird. So kann man seinen bevorzugten Wiedergabepfad beibehalten und ist nicht auf ein nur firmeneigenes System festgelegt.
Selbstverständlich lässt sich der TDAI-2210, wie jeder moderne Streaming-Verstärker über eine eigene, kostenlos erhältliche App steuern. Hier hat Lyngdorf die eigene My Lyngdorf App neu aufgelegt und bietet bei Eingabe der IP-Adresse, auch eine Steuerungsmöglichkeit über den Web-Browser. Braucht es aber nicht wirklich meiner Meinung, denn die My Lyngdorf App ist nicht nur sehr übersichtlich und logisch aufgebaut, sondern erlaubt eine übersichtliche Darstellung und auskunftsfreudige Bedienbarkeit. Dazu gehört auch, dass man besagte Darstellung auf die eigenen Anforderungen und Bedürfnisse einstellen kann. Sehr gut gefallen mir auch kleine Details, die im Alltag aber durchaus eine gewichtige Rolle spielen können. Bleiben wir bei der erwähnten Übersichtlichkeit, hier sind auf einem Blick alle Parameter im Blickfeld, von der Signalauflösung bis hin zur Kanaleingangswahl und den optional möglichen klanglichen Eingriffen auf einen Blick ersichtlich. Gleiches gilt für die Klangregelungen im klassischen Sinne, alternativ durch diverse voreingestellte Parameter (Voicings) oder durch die Lyngdorf eigene Raumeinmessung und Korrektur, die als RoomPerfect ins Spiel kommt. Zusammengefasst lässt sich sagen, in Sachen Bedienbarkeit und Darstellung ist Lyngdorf herausragend aufgestellt und wartet sogar mit ein paar Schmankerl auf.
Zum einen wird eine hochwertige, „richtige“ und gut in der Hand liegende Fernbedienung anstelle eines Alibi-Geräts mitgeliefert. Nicht lumpen lässt man sich beim informativen, gestochen scharfen Farbdisplay, das sowohl mit Touch-Funktionalität wie auch intuitiver Bedienbarkeit überzeugt. Vor allem überzeugt das mattierte Glas, das sich als weniger anfällig Reflexionen gegenüber erweist. Auch sieht man meine ich, etwaige Fingerabdrücke nicht ganz so arg, wie bei einem normalen Glas. Alle Spielarten der Bedienbarkeit werden hier genutzt, das ist vorbildlich. Was mir persönlich auch sehr zusagt, ist die auch aus größerer Entfernung sehr gut zu erkennende, weil "riesige" visuelle Darstellung des Lautstärkepegels in großen Ziffern. Hier stört nichts und dass sich das Ganze in Helligkeit und Anzeigedauer auch variabel einstellen lässt, sowie bei Bedarf auch vollkommen abschalten lässt, erfreut um so mehr. Und, eine weitere Besonderheit, wo andere Hersteller auf ein optionales Mikrofon, bevorzugt aus eigenem Vertrieb hinweisen, liefert Lyngdorf mit dem TDAI-2210 nicht nur ein kalibriertes Mikrofon samt hinreichend ausreichend langen XLR-Verbindungskabel mit, sondern auch den passenden Ständer dazu.
Das schauen wir uns glatt näher an, denn heutzutage bieten zahlreiche Hersteller unterschiedliche Konzepte der individuellen Raumanpassung an. Sei es der schwäbische Hersteller Nubert, der mittels X-Room Calibration über das Mikrofon eines Smart-Devices die Korrekturkurven erstellt, wenn gleich nur im Bereich zwischen 20 Hz bis 160 Hz. Oder der Hersteller WiiM, der mit seinem RoomFit, um die Gunst der Kunden buhlen. Nicht zu vergessen, dass von vielen verwendete Dirac, dass bei NAD, Marantz oder Denon Verwendung findet. Viele werden vielleicht auch von den Einmesssysteme wie Audyssey oder das von Yamaha verwendete YPAO gehört oder diese vielleicht auch in Anspruch genommen haben. Natürlich wird kein System die Physik austricksen, aber zumindest auf die eine oder andere Weise, die Auswirkungen von akustischen Problemen ein wenig zähmen oder eindämmen können. Mal mit vielleicht zufriedenstellenden oder als angenehm empfundenen Ergebnis. Allerdings sollte man ehrlicherweise dazu sagen, dass kaum ein Raum ohne aktive akustische Maßnahmen ein vollständig optimiertes Klangbild bieten dürfte. Es ist, wie vieles im Leben, ein Kompromiss, der mal besser, mal schlechter funktioniert. Aber, die Raumeinmessung kann durchaus Problembereiche erkennen und gezielt darauf einwirken. Ob es dann besser oder schlechter klingt, darüber darf selbst entschieden werden.
Kommen wir also zu RoomPerfect von Lyngdorf, dem ein ernsthafter Ansatz und Lösungsweg zugesprochen wird. Das Schöne am TDAI-2210 ist wie gesagt, dass in seinem Lieferumfang ein kalibriertes Messmikrofon und ein entsprechender Halter enthalten sind. Die Montage ist flugs erledigt und sobald das Stativ sicheren Stand vermittelt, wird das Messmikrofon über eine Halteklammer fixiert. Aber nicht nur das, das Stativ erlaubt sowohl eine vertikale als auch horizontale Lage. Die ist auch notwendig, weil RoomPerfect im Zuge der übrigens sehr verständlich und unkompliziert angeleiteten Messreihen eine unterschiedliche Positionierung einfordert, nicht nur in der Lage im Raum, sondern auch in der Höhe. Das ist deswegen notwendig, weil RoomPerfect ein dreidimensionales „Bild“ des Hörraums erstellt und dabei auch die mit dem Raum agierenden Eigenschaften des wiedergeben Lautsprechers nicht außer Acht lässt. Da hat der DSP im TDAI-2210 zwar ordentlich zu tun, aber das muss den Hörer nicht weiter stören, denn dafür ist er ja rechenstark genug konzipiert. In meinem Fall waren zunächst fünf Messpunkte für ein erstes Kennenlernen ausreichend, wer das Ganze präziser gestalten möchte, führt einfach weitere Messpunkte unterschiedlicher Lage sowie Höhe ein und freut sich über das akkuratere Ergebnis. Eine Kleinigkeit am Rande vielleicht, aber was mich auch positiv überrascht hat, waren die angenehmen Tonfolgen von RoomPerfect. Während bei manch anderen Mess-Systemen, fast schon auf Inferno-Niveau laute Ton-Sweeps den Gebrauch von Gehörschutz erfordern, sind die Signale bei RoomPerfect wirklich erträglich bis angenehm. Und dass die App jeden Arbeitsschritt exakt anleitet und das Ganze im Grunde vollkommen unkompliziert und innerhalb von einer viertel bis halben Stunde umsetzbar ist, kommt noch dazu. Ein weiterer Vorteil, das Ergebnis lässt sich über die My Lyngdorf App per Knopfdruck zuschalten oder per Bypass aus dem Signalweg nehmen. So kann man sofort hören, wie sich das Ergebnis auswirkt.
Bevor wir die Frage beantworten, wie den der TDAI-2210 nun klingt, sei es mit oder ohne RoomPerfect noch eine weitere Kleinigkeit aus dem Rahmen des individuellen Feinabstimmung. Unter High Endern zwar verpönt, empfinde ich jedoch, die bei Bedarf regelbaren Tiefen- und Höhenbereiche in Praxi als durchaus sinnvoll. Lyngdorf gibt dem User hier beispielsweise die Möglichkeit auf spielerisch einfache Art und Weise, sei es über App oder direkt am Gerät via Touch-Display, Änderungen nach Gusto vorzunehmen. Grafisch dargestellt, lassen sich in einem durchgängigen Bereich von 20 bis 500 Hz Basskorrekturen in Höhe von +/- 10 db vornehmen. Für die Höhen gilt Ähnliches, wobei sich der Regel-Bereich hier zwischen 100 Hz und 10 kHz erstreckt. Aber ebenso interessant auch die per Knopfdruck einstellbaren Voicings, sprich ab Werk voreingestellte Klangbilder. So finden sich neben der kerzengeraden Neutral-Kurve auch für fast jedwede Situation voreingestellte Kurven. Wie beispielsweise „Nachrichten“, welche die Stimmwiedergabe präsenter hervorhebt oder die Kurve „Actionfilm“, die für entsprechendes Material optimiert wurde. Ist lediglich eine leichte Bassanhebung gewünscht, so lässt sich auch diese per Knopfdruck abrufen. Was ich besonders praktisch finde ist die Möglichkeit, eine individuelle Kurve zu erstellen, letztlich ist das nichts anderes als ein parametrischer EQ, der über mehrere Filter verfügt und zusätzlich mit Tiefton-Shelf, Hochton-Shelf, Tiefpass wie Hochpass verfeinert werden kann. Sprich, hier kann sich nach Gusto ausgetobt werden.
Natürlich bleiben für die Feststellung der klanglichen Meriten des Lyngdorf TDAI-2210 alle genannten Regelmöglichkeiten auf Neutral und auch RoomPerfect mittels Bypass-Funktion erst mal außen vor. Was natürlich nicht fehlen darf, ist ein wunderbarer 2022er Simonroth Cabernet Franc, des renommierten und praktischerweise in der Nähe befindlichen Weinguts Schnaitmann. Soweit so gut. Was dann passiert, lässt sich auch mit einem Wort beschreiben: Fantastico.
Der Hörgenuss stellt sich mit dem Lyngdorf TDAI-2210 unmittelbar, um nicht zu sagen sofort und vollkommen frei von Nebenwirkungen ein. Normalerweise muss ich mich neuen Geräten erst mal anfreunden, nicht selten dauert es ein paar Tage, bis ein tieferes Verständnis für den Klangcharakter entsteht. Und es macht selbstverständlich Sinn, den Lyngdorf TDAI-2210 an unterschiedlichen Lautsprechern und im Vergleich zu anderen Verstärkern zu hören. In diesem Fall beispielsweise angeschlossen an die große, für den nächsten Test sich bereits einspielende Standbox Nubert nuVero nova 14 (6 000 Euro) sowie die in unzähligen Hörstunden bewährten wie gewohnten Regalboxen KEF LS50 Meta (1 400 Euro) und auch die Teufel Definion 3S (ca. 1 000 Euro). Zuspieler sind in diesem Fall kaum notwendig, denn sowohl der Lyngdorf als auch beispielsweise, die zum Vergleich mit einbezogenen Kollegen, sprich WiiM Amp Ultra (600,00 Euro), Waversa Wslim Lite mit seinem Linearnetzteil (ca. 3 000 Euro) und auch der Eversolo DMP-A10 in Verbindung mit der passenden Class A/B Endstufe Eversolo F-10 (ca. 6 400 Euro) kommen allesamt ganz gut ohne aus und sind via Roon direkt ansprechbar.
Was sofort auffällt, ist die enorme Natürlichkeit bei gleichzeitiger Luzidität im Klangbild des Lyngdorf TDAI-2210. Hier wirkt nichts wie zufällig zusammengestellt oder beiläufig arrangiert, sondern quasi auf das Penibelste nachgezeichnet. Manchmal können durchaus Nuancen darüber entscheiden, ob ein Musikstück im Großen und Ganzen betrachtet zwar vollständig, aber eben langweilig und klinisch steril statt lebendig und einnehmend klingt. Und genau diesen Sprung hin zu einer luftig-offenen, klar strukturierten und involvierend mitreißenden Darstellung schafft der TDAI-2210 aus dem Stand heraus. Da wirken beispielsweise die oberen Lagen nicht einfach nur fein ziseliert, sondern auch von besonders feiner Granulierung. Hier strahlt ein angeschlagenes Ride-Becken nicht einfach um die Wette, sondern zeichnet den metallischen Schimmer bestechend klar, transparent aber auch körper- statt nur schemenhaft nach. Trotz all dieser Transparenz wirkt der Lyngdorf aber keineswegs zu neutral oder zu analytisch angehaucht. Nein, viel mehr trifft er die goldene Mitte aus langzeittauglicher Natürlichkeit und vollkommen kristallin-freier Detailgenauigkeit. Gleiches zieht sich im Grunde wie ein roter Faden durch sämtliche Frequenzbereiche des Lyngdorf. Das Mittenband dominierende Ereignisse, wie natürliche Instrumente oder auch Stimmen reproduziert der Lyngdorf mit einem ausgesprochen hohen Maß an organischer statt künstlich prononcierter Natürlichkeit und einer ja, man muss es so formulieren, schlicht Gänsehaut erzeugenden Lebendigkeit. Höre ich das Stück „Á Ma Femme“ von Charles Aznavour (Album: Idiote Je Taime) dann entfaltet sich jede noch so feine Vibration in der stimmlichen Intonation, wird der stimmliche Charakter hinsichtlich Stimmfarbe und Stimmnatürlichkeit derart unmittelbar und direkt nachgebildet, als stünde der personifizierter Sänger und keine Tonkonserve im Raum. Und genau das ist Ergriffenheit pur.
Auch wirken beispielsweise die tieffrequenten Impulse aus quasi allen Stücken des „Black Earth“-Albums von Bohren und der Club of Gore nicht nur substanziell und füllig ausstaffiert, sondern auch abgrundtief umrissen und zugleich präzise modelliert und bestechend klar definiert. Die Kunst hier ist ja die, dass der Lyngdorf TDAI-2210 nicht einfach nur tumbe Kraft abliefert, sondern den Tiefton gravitätisch umreißt und super präzise einfasst. Dadurch wirken die tiefen Töne nicht einfach nur im Raum stehend, sondern entfalten einerseits eine besondere räumliche Tiefe und eine förmlich schwebende Ruhe. Sind andererseits wiederum nicht lahm, sondern agieren blitzschnell, ohne auch nur einen Funken Bräsigkeit an den Tag zu legen.
In ähnlicher Manier, mit sogar einer Nuance noch kernigeren Dynamikreserven, schlägt sich im direkten Vergleich die Eversolo Vor-Endkombi, verknüpft hier allerdings auch eine kleine Schippe mehr sonore Wärme, was letztlich auch Geschmacksache sein kann. Interessant vielleicht der Vergleich zum günstigen WiiM Amp Ultra, der an sich ja wirklich nichts verkehrt macht und fürs Geld enorm viel Klang bietet. Dieser kann aber mit der Struktur, und dem akkuraten, präzise-kraftvollen Umriss im Tiefton nicht mithalten. Gut, noch schnell ein Quervergleich, mein „oldie but goldie“ Sony TA-E 808 ES Bolide packt den Tiefton hier fundamental weich und mit betonten Oberbass ein, lässt das Ganze damit wie ein lauschiges Kaminfeuer wirken, heimelig und auch ein wenig einlullend. Ja, selbst der nahe Art-Verwandte TA-DA 9000 ES, ebenfalls von Sony bringt zwar neben viel Eigengewicht auch kraftvolle Substanz mit, aber lange nicht diese losgelöste Offenheit und straffe Beweglichkeit und den Speed des Lyngdorf mit. Egal, der Waversa wiederum zeigt sich dann wiederum dem Lyngdorf nacheifernd, wieder gesteigerte Präzision und Agilität, kommt aber nicht ganz auf die räumlich auch eher weiter ausholende Ebene des vom Lyngdorf TDAI-2210 dargereichten Tieftons heran. Um das jetzt nicht überzustrapazieren, egal in welchen Bereichen, auch wenn sich die meisten Konkurrenten noch so mühen, außer dem Waversa Wslim Lite und im noch engeren Sinne der Eversolo-Kombi, vermag keiner meiner vorhandenen Probanden mit der klanglichen Güte des Lyngdorf wirklich mitzuhalten.
Räumliche Ebene ist auch ein gutes Stichwort, denn was der Lyngdorf TDAI-2210 hier an Offenheit, Weite und Tiefe in Sachen Bühnendarstellung und auch Größe derselben abliefert ist für mich schlicht sensationell. Hier entsteht gerade bei klassischen oder aus dem Jazz-Bereich stammenden Stücken enorm viel Raum um die Instrumente herum. Dieses, nennen wir es "mehrdimensional geprägtes" heraus modellieren, beherrscht der Lyngdorf im Vergleich zu den anderen Konkurrenten, wieder mit Ausnahme der Eversolo Vor-Endkombi, außergewöhnlich virtuos und auffällig gut. Dieses hervorstechend-exponierende, nicht nur des instrumentellen Charakters sondern auch dessen exakter Positionierung im räumlichen Gefüge, führt zu einer wie ich finde, größeren Stimmigkeit und Nachvollziehbarkeit des musikalischen Geschehens an sich. Sprich, für mich fühlt sich die Musik dreidimensionaler und körperhafter zugleich an. Dem spielt sich auch der Umstand in die Karten, dass über den Lyngdorf die Bühne nicht nur direkt zwischen der gedachten Boxengrundlinie beginnt, sondern auch je nach dem was die Aufnahme hergibt, sich auch mal davor oder dahinter verlagert. Das Geschehen wirkt also keineswegs statisch, sondern von einer bestechenden Agilität, Beweglichkeit und Klarheit bis weit in die Seitenränder hinaus. Diese Randschärfe verleiht einen zusätzlich gesteigerten Dimensionseindruck, was Weite und Größe der Bühne nochmals unterstreicht. Summasummarum entsteht so ein gestochen scharfes klangliches Panorama, das sich klar von der eingefassten Enge sehr günstiger oder eben durchaus betagter (oldie but goldie) Vintage-Konkurrenz abgrenzt. Wobei um nicht falsch verstanden zu werden, auch diese Vertreter haben ihren Charme und ich behaupte mal, auch und besonders damit lässt sich allgemein betrachtet genußvoll hören, keine Frage.
Und Dynamik? Alter Schwede, nein, alter Däne müsste man ja ausrufen, sowohl grob- wie auch feindynamisch lässt der TDAI-2210 schlicht nichts anbrennen. Zwar muss der Lyngdorf, vermutlich zum Schrecken all derjenigen, die es gewohnt sind den Lautstärkeregler irgendwo zwischen zehn Uhr und höchstens halb zwölf Uhr Position zu parken, gefühlt weiter „aufgedreht“ werden und entfaltet seine grobdynamischen Talente dann in einem Bereich zwischen – 20 bis -10 db und tiefer, aber diese Skalierungen sollten niemanden schrecken.
Denn zu keinem Zeitpunkt wirkt der TDAI-2210 angestrengt oder lässt gar den Eindruck von einsetzender Kompression entstehen. Keineswegs, vielmehr fangen eher meine Ohren vorher an nach Gnade zu verlangen. Im Gegenteil, es entsteht im Grund der Eindruck, dass je lauter ich den Lyngdorf aufdrehe, um so freier, offener ja auch losgelöster die Darbietung sich vor mir ausbreitet. Ein weiterer Vorteil entsteht wiederum, wie anfangs erwähnt, durch die große Bandbreite in der Spreizung der Lautstärke. Dadurch lassen sich die Abstufungen gerade im leisen oder mittleren Bereich, viel genauer und präziser einfassen. Ebenfalls zeichnet der Lyngdorf feindynamische Schwebungen ungemein akkurat nach, wenn also beispielsweise bei einem Streichkonzert, ein eher sanft ausschwebender Ton ausklingt während quasi Schwung für ein stimmungsvolles Crescendo geholt wird, dann überträgt sich dieser Umstand über den Lyngdorf vollkommen ungefiltert, quasi eins zu eins.
Und RoomPerfect? Ja, natürlich, das wollte ich keineswegs unterschlagen. Nach erfolgter Einmessung ertönt das Stück „Haunt Me“ von Bill Kwan (Album: No Ordinary Love: The Music of Sade) zu meiner Verblüffung mit einer anderen Stilistik als vorher. Es erfolgt nämlich keine klangliche Deformation, die das Stück quasi ungenießbar macht, sondern etwas ganz anderes. Zwar gestaltet sich der Tieftonbereich etwas leichter, wirkt nicht mehr ganz so substanziell wie gewohnt, aber davon profitiert hörbar das Mittenband, das beispielsweise die einsetzenden Blechinstrumentierung mit einer weicheren Einfassung transportiert, die aber dennoch einen Hauch mehr Lockerheit und Offenheit transportiert. Gleiches gilt auch für die Stimme von Bill Kwan, die via RoomPerfect nicht etwa verändert wirkt. Nein, vielmehr passiert hier atmosphärisch etwas, denn räumlich betrachtet vollzieht der Gesang einen kleinen rückwärtigen Schritt und erzeugt einen anders gelagerten räumlichen Eindruck infolgedessen ein Quäntchen mehr atmosphärischen Impact. Puh, darauf noch ein Gläschen des vorzüglichen Simonroth Cabernet Franc. Interessant finde ich, dass ich beim hin- und herschalten eigentlich beide Varianten, also mit und ohne RoomPerfect gelungen empfinde und somit mit RoomPerfect nicht nur einen Problemlöser hinsichtlich Dröhnproblematiken im Bass oder überhöhten Höhenbereichen durch räumlich harte Oberflächengegebenheiten vor mir habe, sondern ein letztlich, zusätzlich bereicherndes Klangwerkzeug.
Der Lyngdorf TDAI-2210 verschiebt gewohnte Grenzen und das mit einer fast schon mühelosen Gelassenheit. Klanglich ist er auf der offenen, agilen, durchweg neutralen aber nicht sterilen Klangstilistik beheimatet. Seine Transparenz verknüpft er mit einer besonders luziden Darstellung in Verbindung mit einer unaufdringlichen, fein austarierten Seidigkeit, sein Mittenband mit organischer Klarheit und stimmiger Balance zwischen leuchtenden aber nicht übertriebenen Farbausdruck und Transparenz. Bässe wirken unangestrengt kraftvoll, tief und präzise eingefasst, während dynamisch sowohl zarte Wendungen wie auch brachiale Marschmusik in Konzertlautstärke ertönen. Der TDAI-2210 stellt jede Nuance, Rhythmik und Chromatik mit einer bestechenden Klarheit und Mühelosigkeit frei und lässt den musikalischen Kontext so für sich sprechen. So betrachtet, verkörpert er durchaus ein modernes, von Transparenz, musikalischer Beweglichkeit und räumlich in alle Dimensionen ausdifferenzierendes Klangbild, welches von einer ebenso zeitgemäßen Funktionsvielfalt und Bedienbarkeit getragen wird. Dass er mit mustergültiger Verarbeitung, einer zeitlosen Ästhetik und leistungsstarker, lange in die Zukunft orientierten technischen Ausstattung konzipiert wurde, sollte sicherlich all diejenigen freuen, die mit einen kompakten, leistungsstarken und klanglich mustergültigen Streaming-Verstärker dieses Thema für die kommenden Jahre oder das kommende Jahrzehnt (oder wegen mir auch Jahrzehnte, aber man könnte ja was verpassen…) ad acta legen wollen.
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