Auralic Aries Mini  /  Praxistest auf www.audisseus.de

AURALIC ARIES MINI - IM PRAXISTEST


Autor: Fritz I. Schwertfeger

Bilder: Auralic / Fritz I. Schwertfeger

04.05.2016

 

Der Wolf im Schafspelz – Günstiger DSD-Netzwerkplayer sowie Streaming-Referenz  für zuhause? 

 

Ähnlich wie der Mojo von Chord Electronics sorgte auch der Aries Mini von Auralic für ein sattes Rumoren in Fachkreisen, noch bevor er den ersten Ton von sich gelassen hatte. Ob man den als Geheimtipp gehandelten Netzwerkplayer denn auch schon gesehen und gehört hätte war eine der am häufigsten gestellten Fragen während der letztjährigen High End in München. 

 

Da war er also nun, der neue geheimnisvolle Aries Mini des gleich in mehreren Kontinenten beheimateten Herstellers Auralic. Neben seinen größeren Geschwistern wirkte er zunächst derart unscheinbar, dass man ihn aus der Entfernung irrtümlich für einen Apple TV der vorangegangen Generation halten konnte. Tatsächlich ähnelt er diesem optisch mehr als seinen größeren Geschwistern Aries und Aries LE. 


DESIGN UND TECHNIK


Der Aries Mini umhüllt sich mit einer flachen, quaderformigen wahlweise weißer oder schwarzer Behausung. Puristisch, ja schnörkelos könnte das Design bezeichnet werden, reduziert auf das Wesentliche. So mancher highender könnte nun einwenden, dass das Gehäuse aus Kunststoff besteht aber das dient dem besseren Signalhandling bei der drahtlosen Datenübertragung, was sich bei näherer Betrachtung somit als praktischer Grund darstellt.  

 

Außerdem würde der Mini sicher deutlich mehr kosten, wenn auf ein anderes Material zurückgegriffen wäre und er würde dann auch keine 800 Gramm mehr wiegen. Nicht das dies von besonder Bedeutung wäre, aber so leicht wie er ist, lässt er sich flugs auch mal zu Freund oder Freundin mitnehmen, um an deren Vintage-Anlage übers Wochenende für klare musikalische Verhältnisse zu sorgen.

 

Der Aries Mini kommt eher nüchtern daher, die kunstvoll geschwungene Linienführung der großen Aries Modelle bringt er zweifelsohne nicht mit. Auch nicht deren gestochen scharfes Display, aber dafür deren klangliche Gene. Außerdem und das muss man fast schon mit einem Ausrufezeichen versehen, bringt er die kongeniale Fähigkeit mit, sich einfach ein Solid State Drive (SSD) einzuverleiben, um dann zur autarken Lightning DS Server-Instanz zu reifen. Unabhängig von NAS und Konsorten, lässt sich so ein kostengünstiges und DSD-fähiges System auf die Beine stellen - genial einfach. Aber der Mini kann noch viel mehr.

 

Die notwendige Rechenleistung um als Server-Instanz fungieren zu können, für das Decodieren der unterschiedlichen Dateiformate sowie der generellen Koordination für das Zusammenspiel von Hard-und Software, liefert die sog. proprietäre Tesla Plattform von Auralic. Diese besteht aus einem Quad-Core ARM Coretex A9 Prozessor der mit 1 Ghz getaktet ist und mit einen aüßerst flotten 512 MB großen DDR3 Speicher ausgestattet ist. Auf interne Daten des Systems wird über einen 4 GB großen internen Speicher zugegriffen. Dass die CPU des Aries nun mit einer Rechenfähigkeit von 25 000 MIPS (Millionen Instruktionen pro Sekunde) daherkommt, nimmt der streamingwillige Highender gerne als Randinformation mit, um gleich die Frage zu stellen, ob er diese Leistung überhaupt brauchen wird.

 

Lange Rede, kurzer Sinn: Ja, unbedingt sogar. Die Anforderungen an einen zukunftsfähigen Streamer sind groß, speziell wenn dieser als Server-Instanz in Erscheinung tritt und dabei auch Multiroom-Fähigkeiten an den Tag legt. So lassen sich mehrere Minis innerhalb eines Hauses oder Wohnung zu einem hochwertigen Multiroom-System erweitern. Auch führt die Updatefähigkeit des Systems zu immer mehr Funktionalitäten und diese benötigen eben Rechenleistung. Da ist es immer gut, genügend Reserven in der Hinterhand zu haben.  

 

Auralic Aries Mini  /  Praxistest auf www.audisseus.de
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Im Innern werkelt außerdem ein energiesparender, für den mobilen als auch anspruchsvollen stationären Einsatz konzipierte D/A-Wandler Sabre 9018K2M des amerikanischen Hersteller ESS Technologies. Dieser bietet frei programmierbare Filter-Charakteristiken an, wovon Auralic natürlich mit gleich vier eigen implementierten Varianten sofort gerne Gebrauch gemacht hat. Der 32-bit Wandler liefert darüber hinaus über mehr als genügend Bit-Tiefe damit eine verlustfreie Lautstärkeregelung realisiert werden kann. 

 

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Ein Manko der digitalen Lautstärkeregelung ist der Informations- und Auflösungsverlust beim Absenken des Pegels da zwangsläufig Bit-Informationen angeknabbert werden. Bei einem zu geringem Bit-Puffer gehen somit Eingangsinformationen verloren, was sich deutlich hörbar bemerkbar macht. Über solche Dinge muss sich aber der Aries Mini Besitzer nicht den Kopf zerbrechen.

 

Das dürfte speziell all jene freuen, die den Aries direkt an aktiven Lautsprechern wie z.B. den abgebildeten Standlautsprecher Nubert A-500 anschließen wollen - mit dem Ergebnis eines übersichtlichen, hochmodernen wie vollwertigen Audio-Setups. Steuerung sowie Auswahl der Inhalte und Regelung der Lautstärke werden per App von Smartphone oder Tablet übernommen, bequemer geht es fast nicht mehr.

 

Sagte wer Netzwerkplayer? Diese fast schon einschränkende Begrifflichkeit dürfte dem kleinen Aries nicht ganz gerecht werden, denn einfach ist beim Aries Mini nur die Bedienung dieses Multitalents, das sich dem High End Streaming verpflichtet fühlt. Auralic bemüht hier aus diesem Grund auch Bezeichnung "Streamingnode", was um so plausibler erscheint, wird der Aries als Knotenpunkt digitaler Inhalte für die bestehende Anlage, weiterer Minis oder mehrerer Streaming-Geräte in einem Multiroom-System verstanden.

 


AURALIC ARIES MINI - FUNKTIONEN


Greifen wir die Bezeichnung „Streamingnode“ an dieser Stelle nochmal bewusst auf. Ganz simpel ausgedrückt ist der Aries Mini einerseits Empfänger, Besitzer (interne SSD), Übersetzer und Verteiler jeglicher Art digitaler Musikdateien, Streamingdiensten wie z.B. TIDAL und sogar - und jetzt kommt das Besondere: DSD und DXD Inhalte.  Tatsächlich also eine Art alles verarbeitendes, musikalisches Drehkreuz, wenn Sie so wollen. 

 

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Kontakt zum Netzwerk wird entweder per Ethernetkabel oder drahtlos mit schnellem WLAN nach dem aktuellem 802.11ac Standard hergestellt. Erfahrungsgemäß empfiehlt sich aufgrund der höheren Bandbreite und Störunempfindlichkeit der Anschluss per Ethernetkabel. Sind Inhalte auf einer Festplatte abgelegt oder was ein Zufall, einer der Gäste hat einen USB-Stick dabei, mit Songs die man unbedint gehört haben muss. Kein Problem, ohne weitere Infrastruktur zu bemühen verdaut der Aries Mini auch dies über seinen rückseitigen USB-Eingang.

 

Direkt neben diesem findtet sich passenderweise auch ein USB-Ausgang, über welchen der Aries Mini seine Inhalte gerne auch einem kostspieligeren DAC weiterreicht. Dieser wird via Lightning DS App erkannt und bekommt den Datenstrom direkt zugewiesen. Somit übergibt er das Szepter bei der Datenübertragung auch dem DAC um per asynchronem Übertragungs-Modus etwaigem Taktzittern (Jitter) den Garaus machen. Ganz klassisch, geht es aber auch koaxial und per optischen S/PDIF (bis max. 24 bit /192 kHz) oder per klassischem Cinch in Richtung Verstärker. Die DSD-Ausgabe erfolgt lediglich über die analogen Ausgänge. 

 

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HI-RES UND DSD

 

Hochaufgelöste Musik steht immer mehr im Focus, schließlich sorgt deren immer größere Auswahl und Verfügbarkeit für steigende Nachfrage. Auralic lässt auch hier nichts anbrennen und gewährt hochaufgelösten Inhalten mit Wortbreiten von bis zu 32 bit und einer Auflösungstiefe von 44,1 kHz bis 384 kHz generös Zugang.

 

Darüber hinaus zeigt sich der Aries wie bereits erwähnt auch DSD-Inhalten zugeneigt, so dass die Anschaffung eines DSD-fähigen externen Wandlers, sofern nicht schon vorhanden, getrost eingespart werden kann. Für das Geld lassen sich dann jede Menge DSD-Alben in single, double oder quadro speed (DSD64/128/256) erwerben.

 

AURALIC ARIES MINI - FORMATE

 

Ganz gleich ob es sich dabei beispielsweise um verlustbehaftete Formate wie MP3, AAC,Ogg, verlustfreie wie FLAC, ALAC, WAV handelt und als ganz besonderes Schmankerl: Natives DSD-Material oder auch deren auf 384 kHz umgewandeltes DXD Äquivalent. Digitale Inhalte können auf der privaten Musikbibliothek im eigenen Netzwerk auf einem NAS (Network Attachet Storage) / PC / Mac oder dem optional intern einsetzbaren SSD-Drive abgelegt sein. Oder in Form von abertausenden Radio-Stationen oder in CD-Qualität liefernden Streaming-Diensten wie TIDAL oder Qobuz direkt aus dem Internet bezogen werden.

 

Bevor nun jemand die Hand zum Einspruch erhebt, weil hier weder Spotify oder Apple Music erwähnt wurde. Der Aries bietet sowohl via Bluetooth als auch per Airplay einen mehr als akzeptablen Lieferanteneingang für jegliche mobile Devices an. Und da beide Musik-Dienste mit reduzierter Auflösung operieren, verschwendet der geneigte audiophile auch nicht all zu viele Gedanken in diese Richtung, sondern lehnt sich in der beruhigenden Gewissheit zurück, bei Bedarf im Handumdrehen darauf zurück greifen zu können.

 

Songcast-Protokoll

 

Von größerem Interesse ist da schon die Fähigkeit des Aries Mini auf das von Linn entwickelte Songcast-Protokoll zurückgreifen zu können. Damit lassen sich Inhalte vom Mac oder PC drahtlos über das Netzwerk auf den Aries und damit an die Anlage schicken.

 

Ganz gleich ob es sich dabei um ganze Musikalben (FLAC, WAV), oder Tonsequenzen von Internetseiten wie z.B. Videos auf YouTube handelt. Der Vorteil gegenüber AirPlay ist hierbei, dass man nicht nur auf Inhalte aus iTunes limitiert ist und Linn-typisch auf eine höhere Audioqualität gesetzt wird. Das bietet mehr Flexibilität und funktioniert im realen Alltag auf dem MacBook Air mit Audirvana Plus ganz ausgezeichnet. HiRes-Inhalte gelangen, wenn auch runtergerechnet auf auf immerhin CD-Qualität (44,1 kHz), per Songcast drahtlos und bequem an den Aries Mini. Das funktionierte sogar mit dem in DSD 64 vorliegenden Album „Intercontinental“ von Joe Pass (highresaudio.com) blitzschnell und ohne Artefakte oder Aussetzer. Auch mit Inhalten im Format  WAV 24 bit /96 kHz kam SongCast wunderbar zurecht - ohne Probleme oder Aussetzer bei der Umrechnung (44,1 kHz). 

 

Lightning DS und Lightning Server

 

Wie bereits erwähnt, erkennt der Auralic Aries Mini mit seinem Lightning Server problemlos via UpNP / DLNA eine vorhandene NAS oder erhält über die Lightning DS App, Zugriff auf freigebene Musikordner von PC und Mac. Der Streamer wird somit zum sog. Renderer, also Datenempfänger. Da sich der Autor nie aufraffen konnte einen Twonky oder Minimserver auf die NAS aufzuspielen, muss seit je her die simple UpNP-Instanz reichen. Einbußen im Leistungsumfang, wie z.B. fehlende Erkennung von DSD-Dateien oder Defizite in Sachen Metadaten, sind somit zwangsläufig in Kauf zu nehmen.

 

Trotz dieses Mankos erfasst der Auralic auf Knopfdruck und per leicht verständlicher Menüfuhrung rasend schnell alle Inhalte. Sind diese erfasst, bleiben sie als katalogisierter Index dauerhaft in der App abgespeichert, was dem Stöbern und Anwählen der Tracks eine spürbare Geschmeidigkeit  verleiht. Selbst bei riesigen Musikbibliotheken geht alles zackig, sprichwörtlich wie der geölte Blitz.

 

Wie kann es anders sein - die Welt könnte jetzt bereits in Ordnung sein, aber es muss ja einen Wermutstropfen geben. Zwar stimmte bei Auswahl der NAS die Sortierung der Musik-Bibliothek, aber auch hier wurden weder DSD-Inhalte erkannt noch Metadaten wie "Dateityp", "Abtastrate", "Import-datum" oder "zuletzt geändert" erfasst. Geschweige denn eine Sortierung und Auswahlmöglickeit nach diesen Kriterien ermöglicht.

 

Und jetzt kommt das große aber...das alles wiederum kann der Aries Mini wenn er mit seinem eigenen Lightnings Server zur Serverinstanz umfirmiert. Auch der Einbau des Solid State Drive - ein Kinderspiel, das sich sagenhaft einfach gestaltet um hinterher ungeahnte Möglichkeiten zur Verfügung stellt. Da griff die Redaktionsassistenz mit sanfter Hand zum Aries. Umdrehen, aufschrauben, SSD einbauen, Deckel wieder drauf, fertig. Dann per Lightning DS App das SSD Laufwerk initialisieren und schon kann es losgehen.

 

 

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Inhalte kommen kinderleicht per rückseitig eingefügtem USB Stick resp. USB Platte oder können direkt aus dem Netzwerk per Laptop auf die SSD aufgespielt werden, was natürlich super bequem ist. So erscheint auf dem MacBook Air die SSD des Auralic als Laufwerk, welches unkompliziert per Drag and Drop betankt werden kann. Sogar Inhalte des NAS ließen sich so auf den Lightning Server aufspielen. Abgesehen von der konsequenteren Sortierung bietet die SSD des Aries auch noch einen anderen Vorteil. Die gesamte Systemperformance schien eine ganze Ecke schneller zu agieren, auch umfangreiche DSD-Dateien standen in Sekundenbruchteilen zur Verfügung.

 

Auf das DSD-Material griff dann gerne auch der räumlich gleich um zwei Etagen getrennte Netzwerk-AV-Receiver SC-LX 89 von Pioneer zurück - und das im Eiltempo. Noch besser wurde es sogar, wenn man z.B. ein aktuelles iPhone und den „NePlayer“ des japanischen Herstellers Radius installiert hatte. Dann fand drahtlos und per Kopfhörer auf dem Sofa liegend, bequemer Zugriff auf HiRes-Inhalte des Lightning Servers statt, ohne das Speicherplatz auf dem Smartphone in Anspruch genommen werden musste. Natürlich keimte die Frage auf, ob auch die Raumfeld-Systeme oder Sonos-Systeme ebenfalls die Inhalte des Lightning Servers wiedergeben würden.

 

Bei Sonos blieb eine Kontaktaufnahme trotz mehrerer Versuche ohne Erfolg, während sich bei Raumfeld einiges tat. So erkannte das Raumfeld-System zwar den Lightning Server, weigerte sich aber dessen Daten entsprechend auszulesen. Dafür bot das Raumfeld-System aber dann doch an auf die SSD des Auralic zuzugreifen zu wollen, was auch prompt funktionierte. Last but not least durfte auch der Sneaky DS von Linn auf den Auralic Server zugreifen, das funktionierte ebenfalls ganz hervorragend.

 

Wer den Streamingdienst TIDAL in Verwendung hat, kann sich gleich doppelt freuen. Auralic spendiert seiner App einige besondere Schmankerl, die unter Einbeziehung redaktioneller Inhalte und direkten Empfehlungen, den Leistungsumfang von TIDAL noch mal deutlich nach vorne bringen. In der Praxis heißt das nichts anderes, als das ein Klick auf das kleine Symbol am unteren rechten Rand des Covers zur musikalischen Entdeckungsreise einlädt. Zunächst erhält man die Option mehr über den Künstler zu erfahren, den man gerade hört. Einen Schritt weiter geht das Wellensymbol in der Mitte des Bildes. Damit generiert die App umgehend eine Playlist, basierend auf ähnliche Musikstilistik und Künstler. Das hat Mehrwert, definitiv.

 

Die Entdeckungsreise kann also umgehend losgehen. Ebenfalls praktisch: Ist ein Künstler angewählt, zeigt Lightning DS auch andere Alben dieses Künstlers an. Sehr praktisch. Das ist jetzt zwar nichts Neues, aber um so schöner, dass dies nun alles im Handumdrehen und konzentriert auf eine App vonstattengehen kann.


MQA- NEBEN DSD/DXD EIN WEITERES ASS IM ÄRMEL


Ebenfalls interessant: Die MQA-Trumpfkarte. Es dürfte für Auralic ein leichtes sein, dem Aries Mini die MQA-Fähigkeit per Update ans Herz zu legen. Verliert man also diese Option nicht aus den Augen, so ergeben sich gleich zwei interessante Möglichkeiten. MQA-Inhalte sind mittlerweile in immer weiter anwachsender Zahl z.B. auf highresaudio.com verfügbar. Bei der zweiten interessanten Option könnten Streaming-Dienste wie z.B. TIDAL in absehbarer Zeit mittels MQA sogar Hi-Res-Streaming anbieten. All diese Möglichkeiten stehen somit eventuell offen und damit wird das das Thema MQA und Hi-Res-Streaming aus der Cloud im Grunde immer interessanter. 

  

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Doch abschließend noch mal zurück zur Funktionalität des Aries Mini. Die App Lightning DS und der Lightning Server sind ein gut aufeinander abgestimmtes Duo und erlauben nicht nur ein unkompliziertes Handling, sondern auch enormst praktische Funktionen wie beispielsweise die Multiroom-Fähigkeit.

 

Mehrere Minis können so im Haus verteilt entweder einzeln angesprochen oder synchron die gleichen Inhalte wiedergeben. Ebenfalls möglich ist ein schnelles und umkompliziertes Umschalten zwischen verschiedenen Musikbibliotheken ob intern auf der SSD oder extern auf dem NAS. Diese müssen auch nicht jedes Mal neu aktuallisiert werden. Änderungen oder neue Inhalte werden automatisch erfasst und eingepflegt, so dass nicht jedesmal die gesamte Bibliothek neu durchforstet werden muss. 

 

Upgradefähig zeigt sich der Aries Mini schließlich auch in Sachen Stromversorgung. Mit dem zusätzlich erhältlichen Ultra Low Noise Linear Netzteil, welches anstelle des mitgelieferten Schaltnetzteils in die Pflicht genommen werden kann, stellt sich ein stabileres und in der Abbildung deutlich gesteigertes Klangbild ein. 


HÖRTEST


Über die Jahre und in unzähligen Hörsessions, mauserte sich die leider nicht mehr erhältliche Squeezebox von Logitech zu einem souverän klingenden Multiroom-Spielpartner, der sich in jedem Hörraum etabliert und jedes  Vintage-Setup ins moderne Streaming-Zeitalter geführt hat.

 

Auch wenn der Auralic Aries Mini in einer anderen Preislichen Liga unterwegs ist, reizte natürlich der Vergleich, ebenso wie das Aufeinandertreffen mit der Redaktionsreferenz, dem Linn Sneaky DS. Also, los gehts. 

 

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Singer-Songwriter

Bei „Falling Short“ von Lapsley überzeugte der Auralic Aries Mini mit einem knackig druckvollen und herrlich dunklen Bassspiel. Der musikalische Fluss schien bei aller Fülle, dennoch von einer ungewohnten Leichtigkeit getragen. Statt der Trägheit die andere Systeme gerne an den Tag legten, umgab der Aries Mini das Stück mit klarer Struktur und viel Ausdruck. Spielerisch versah er das Klavierspiel mit reichlich Kontur und umrahmte es mit einem vor Dynamik und Verve strotzenden Bass.  Aber nicht nur das, wie selbstverständlich blieb der Aries Mini dabei sehr ausbalanciert und temporeich. Prägnant und lebendig stand auch die Stimme von Lapsley farbenfroh und fein nuanciert im Raum, ohne über Gebühr in den Hintergrund gerückt zu werden.

 

MIt dem Tempo, Druck und Fluss des Auralic konnte die Squeezebox Touch dann doch nicht mehr mithalten, zu farblos, ohne Glanz und fast schon einsilbig flach wirkte diese dagegen.  

 

Contemporary

Mit reichlich Dramatik inszenierte der Auralic dann auch das Stück "Metamorphosis 1 - Akufen Reinterpretation" von Bruce Brubaker (Glass Piano Versions). Potzblitz, selten drückte der Bass derart kraftvoll und füllig in den Raum, dass man den Eindruck hatte, die Bewegung der Gravitation im Raum zu spüren. Kontur und Schubkraft des Aries Mini vereinten sich mit dynamischen Elan der aufhorchen ließ. Klar leuchtete er dabei durch alle Ebenen des Stücks und bildete mit hoher Dichte und Stringenz jede noch so feine Nuance im Geschehen nach. Vor allem, wenn die Snares euphorisch empor schwellend einsetzten, ließ der Mini diese frei differenziert schweben, statt sie von der einsetzenden Tieftonwelle überrollen zu lassen. Mit sehr viel Agilität verwandelte sich das Stück bei der Wiedergabe über den Auralic Aries Mini in einen reißenden Strom der unweigerlich mitriss und schlicht Begeisterung entfachte.

 

Alternative

"Loverkiller" von My Brightest Diamond (This Is My Hand) klang vollkommen unangestrengt, ganzheitlich und absolut packend über den Auralic, während sich über die Squeezebox eine leichte Zurückhaltung einstellte. Jedes noch so kleine Detail wurde vom Auralic erfasst, präzise umgesetzt und das mit viel Tempo und einem zupackend elegantem Temperament. Man konnte es drehen und wenden wie man wollte, der Auries Mini spielte mit herrlicher Akkuratesse und zupackendem Drive, dass man sich vor Begeisterung förmlich bei jedem Stück auf die Schenkel klopfen wollte.  

 

Auralic Aries Mini vs Linn Sneaky DS

Der Aries spielte herrlich umrissen, sehr detailverliebt und mit farbig prächtigen Klangbouquet. Man schwelgte förmlich in seiner Musikalität, denn er zeichnete die Musik nicht uninspiriert nach, sondern lieferte einen direkten Blick ins musikalische Werk. Mit all seinen Wendungen und Verästelungen, die sonst mit einem schlechteren Wandler wie übertüncht wirkten und nicht in dieser Form wahrgenommen wurden.

 

Das mit Spannung erwartete Zusammentreffen mit dem Linn Sneaky DS entschied der Schotte letztlich mit hauchdünnem Vorsprung für sich. Ganz gleich in welchem Set-up und Hörraum. Ob mit zwei Endstufen per horizontalem Bi-Amping die gewaltigen Isophon Vertigos befeuerte wurden, sich Vintage-Amps mit den pfeilschnellen und kristallklaren  Elac 247.3 verbündeten oder eine feurige Cayin Röhre an den unbestechlich präzisen KEF LS 50  für beide Probanden in die Pflicht genommen wurde. Während sich der Auralic Aries Mini mit knackigem Antritt und temperamentvoller Spielweise druckvoll in Szene setzte, hielt der Linn mit einen Quentchen mehr geschmeidiger Souveränität und stabilerer Abbildungsgröße dagegen. Seinen Vorsprung begründete er letztlich mit einem weiteren Ausleuchten in die Tiefe und dem bestechendem Timing, das einen noch fließenderen Groove zu entfachen schien. 


FAZIT


Nicht nur, dass der Auralic Aries Mini jegliche Vintage Anlage in die Neuzeit katapultiert. In Sachen Anwenderfreundlichkeit, Bedienbarkeit und Zukunftsfähigkeit muss dem Aries Mini im Zusammenspiel mit der Lightning DS App eine absolute Bestnote verliehen werden. Die App zeigt sich auf einen Blick informativ (Abtastrate / Wortbreite), gut strukturiert und bietet eine hervorragende Sortierung und Auswahlmöglichkeiten satt.

 

Klanglich ist der kleine Mini ein ganz Großer und dem deutlich teureren Linn Sneaky DS unglaublich nah auf den Fersen. Dieser muss sich schon mächtig ins Zeug legen um dem Aries Mini in Verbindung mit dem Ultra Low Noise Linear Netzteil nicht an sich vorbeiziehen zu lassen. Er schafft es mit etwas mehr geschmeidiger Struktur und einem authentischeren Spielfluss den Aries hinter sich zu lassen. Und auch wenn der Linn Sneaky DS klanglich die Oberhand behielt, lief es letztlich auf ein Patt hinaus.

 

Zwar beinhaltet der Linn in Sachen klanglicher Optimierung mit Space Optimization ein mächtiges Werkzeug, aber dem setzt der Auralic seine schier unschlagbare Anwendungsbreite entgegen. AirPlay? Bluetooth? Songcast? Alles an Bord.  Seine Serverinstanz per eingebauter SSD stellt er im gesamten Netzwerk zur Verfügung, wovon auch Smartphone und alle anderen Netzwerk-Klienten in einem Multiroom-Haushalt profitieren. Mit Blick auf seinen günstigen Preis, der trotz dem Linear Netzteil deutlich unter dem des Linn Sneaky DS liegt, bietet er eindeutig ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis.

 

Die Wiedergabe von DSD-Material aller Couleur, seine durch permante Updates sichergestellte Zukunftssicherheit und die Hintergrund präsente MQA-Fähigkeit machen ihn zu einem extrem günstigen High End Streamer / Server. Speziell wenn Hi-Res Streaming via TiDAL und Co.  einges Tages Realität werden sollten, können sich Besitzer eines Aries Mini entspannt zurücklehnen. Der Auralic Aries Mini ist unstreitbar ein highendiger Klang-Gourmet zum kleinen Preis, welcher der Konkurrenz mit seiner Vielseitigkeit und seinem referenziös-dynamischen Klang das Fürchten lernen dürfte.


AURALIC ARIES MINI

Auralic Aries Mini  /  Praxistest auf www.audisseus.de

 

  • 95 Pkte Klang
  • 90 Pkte Ausstattung
  • 90 Pkte Verarbeitung
  • 95 Pkte Bedienung
  • 95 Pkte Bassqualität
  • 95Pkte Neutralität
  • 100 Pkte Feindynamik /
    Präzision 

 

Preis: 499,00 Euro / 299,99 Ultra Low Noise Linear Netzteil

Erhältlich im Fachhandel sowie über www.audionext.de

 

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