V-Moda Zn  In-Ear / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger

V-MODA ZN - IN-EAR IM PRAXISTEST


Autor: Fritz I. Schwertfeger

Bilder: V-Moda  / Fritz I. Schwertfeger

 

Die insgesamt sechs Over- und On-Ear Modelle umfassende Crossfade Kopfhörer-Familie von V-Moda sorgte bereits bei Kopfhörer-Afficionados aus aller Welt für Begeisterung. Kein Wunder also, dass sich der charismatische Val Kolton, seines Zeichens CEO des US-Herstellers V-Moda, den gleichen Erfolg auch für sein In-Ear Modell Zn auf die Fahnen geschrieben hat.

 

Und wer, wie der Autor schon mal das Vergnügen hatte, Mr. Kolton persönlich kennen zu lernen, der weiß, dass unbescheidene Worte seine Sache nicht sind. Wer sonst käme auf die Idee die Worte Cäsars – Veni Vidi Vici – als gut sichtbares Statement mit seinem In-Ear auszuliefern?

 

Erstaunlicherweise versteht es der smarte US-Boy aber, seinen Worten stets auch immer hörbare Taten folgen zu lassen, so dass der V-Moda In-Ear mit Spannung aus seiner Box befreit wurde. Und das ist wörtlich zu verstehen, denn alles Ziehen und Zerren an der stabilen Box half nichts. Erst als das gerne gut zu übersehende rote Band an der Seite durchtrennt wurde, präsentierte sich der im Innern der Box verwahrte und schlicht Zn genannte In-Ear des amerikanischen Herstellers.

 

V-Moda Zn  In-Ear / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger
Val Kolton / Foto: Fritz I. Schwertfeger

V-MODA ZN - DESIGN

 

Was wiederum auf den ersten Blick auffällt, ist die Koltonsche Affinität für polygone Formen. Bereits die orange-schwarze Verpackung des In-Ears pfeift auf sture Geradlinigkeit und wirkt zudem auch noch so robust, als dass sie theoretisch zur Not auch als Unterlegkeil eine Verwendung fände. Zumindest wenn man einen Smart sein eigen nennt. 

 

Zieht man an der oberen Schlaufe kommt schubladenartig der In-Ear mitsamt seinem Zuberhör zum Vorschein. Hält man den Zn erstmalig in den Händen fällt zunächst seine kompakte Form und das unerwartete Gewicht auf. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, der Zn ist kein Schwergewicht, nur erwartet man bei dessen Größe nicht dieses Gewicht. Das aus einer Zink-Legierung bestehende Metallgehäuse, (daher auch die Namensbezeichnung Zn, mit der das Element Zink im Periodensystem aufgeführt wird), dürfte aus einem Spritzgussverfahren resultieren. (Der Vertrieb spricht hier von Zinkdruckguss-Gehäusen).

 

So ganz genau mag der Hersteller das Verfahren wie es scheint nicht preisgeben, lediglich von einem "patented liquid metal casting process" ist vage die Rede, aber sei es drum. Der Zn sorgt mit dem kontrastreichem Wechselspiel seines schwarz-silbernen Treibergehäuses für einen alles andere als langweiligen optischen Eindruck. Für eine dynamische Formensprache sorgen die Design-Linien, die eigenwilligen Bahnen folgend, bei genauerer Betrachtung das Firmen-Signet nachbilden. 


V-MODA ZN - TECHNIK UND HANDLING

V-Moda Zn  In-Ear / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger

 

In Sachen Verabeitungsqualität gibt es rein gar nichts zu kriteln, der Zn wirkt mehr als grundsolide und man spürt den Anspruch des Herstellers einen ultrarobusten und qualitativ hochwertigen Hörer abzuliefern. Dafür spricht auch, dass er nach den Richtlinien des militärischen Standards MIL-STD-105, Umwelteinflüssen wie z.B. hohen oder niedrigen Temperaturen, Feuchtigkeit oder auch starken UV-Belastungen relativ gelassen gegenüberstehen sollte.  

 

Im Inneren des Zn greift V-Moda auf handselektiert ausgesuchte 8 mm messende Treiber zurück, um so Kanalungleichheiten die unser Gehör besonders sensibel registriert, auf den kleinstmöglichen Nenner zu bringen. Interessant in diesem Zusammenhang auch die Aussage des Herstellers, dass die Treiber bei hoher Breitbandigkeit speziell auf eine außerordentliche Klarheit im Mittenbereich und auf höchste Präzision getrimmt wurden. Oha, das weckt natürlich postwendend eine hohe Erwartungshaltung für den anschließenden Hörtest, bei dem der Referenz In-Ear AK T8iE von Astell & Kern schon mal als gesetzt gilt. Zumal wenn auch vollmundig behauptet wird, dass es der Zn auch mit deutlich teureren In-Ears aufnehmen kann.

 

Aber damit nicht genug, als Besonderheit verpasst V-Moda seinem Zn im Innern einen speziellen akustischen Filter. Aus limitierter italienischer Herstellung stammend  ist dieser Filter zwischen Treiber und Treibergehäuseausgang angebracht und soll für den charaktervollen Klang des In-Ears sorgen. Über die genaue Funktionsweise dieser Filter und warum diese nur in limitierter Menge hergestellt werden können, hüllt man sich bei V-Moda in nebulöses Schweigen, aber wie auch immer, das Ergebnis zählt und das wird sich im Hörtest zeigen. 

V-Moda Zn In-Ear / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: V-Moda

 

Beim Repertoir an Zusatzaustattung gab man sich spendabel und legte insgesamt acht spezielle Ohranpassstücke aus Silikon in verschiedenen Größen bei. Ein guter Sitz im Ohr ist für einen In-Ear unabdingbar und trägt entscheidend zur Hörqualität bei. V-Moda geht hier sogar einen Schritt weiter und spricht seinen Bliss 3.0 Ohrstücken eine positive Auswirkung auf die Bassqualität zu. Wie gesagt, an mangelnden Ideenreichtum, innovativer Experimentierfreudigkeit und Selbst-bewusstsein mangelt es den Amerikanern definitiv nicht.

 

Für den sicheren Transport unterwegs findet sich auf der Rückseite der Innenverpackung ein flaches Lederetui, das den In-Ear flach und platzsparend in der Brusttasche des Jackets oder in der Hosentasche verstaut. Dass der Zn nicht nur für Couch Patatoes erschaffen wurde, zeigen die beiden mitgelieferten, sehr speziellen Kabelführungen, die für den Sporteinsatz optimiert, um das Ohr herum geführt werden. Die patentierten Active-Flex genannten Kabelführungen sollen dafür sorgen, dass der In-Ear auch beim härtesten Workout in Position bleibt. Damit verhindern sie so ein permanentes und lästiges herausdrehen des In-Ears aus dem Gehörgang.


V-Moda Zn In-Ear / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: V-Moda

 

Besonders in Auge fällt bei näherer Betrachtung auch das Kabel des Zn. Statt auf filigrane Zierlichkeit setzt es lieber auf eine im Vergleich zu gewöhnlichen Kabeln erhöhte Dicke und Stabilität. Das kevlarverstärkte Kabel sollte somit kaum kaputt zu kriegen sein. Und für den unwarscheinlichen Fall, dass dies doch mal geschehen sollte, gibt sich der Hersteller mit seiner zwei Jahre umfassenden Garantie sehr kulant. Das "Immortal Life Program" von V-Moda sorgt wiederum dafür, dass nach Ablauf der Garantiezeit statt Frust ein satter Rabatt von 50 % zum Neuerwerb eines bis dato möglicherweise aktualisierten Hörers führt. Aber wieder zurück zum Zn. Das Kabel des In-Ears neigt in der Praxis deutlich weniger dazu sich zu verdrehen oder zu verhedern, was sich nicht nur im Alltag positiv bemerkbar machen sollte, sondern auch speziell in der Verwendung bei sportlichen Aktivitäten.

 

Und auch in Sachen Mikrofonie gibt sich das als DiamondBack bezeichnete Kabel in beiden Fällen weniger empfindlich. Eine in der Leitung angebrachte Fernbedienung mit eingebautem Mikrofon ermöglicht freihändiges Telefonieren oder die Steuerung des Musikprogramms. Hier gilt auf das das jeweils richtige Zn Modell zürück zu greifen, denn sowohl iOS und auch Android-Geräte bedürfen ihrer eigenen Fernbedienung.  


HÖRTEST


Nach reichlicher Einspielzeit durfte der In-Ear sein Können unter Beweis stellen. Ganz gleich ob am externen Kopfhörerverstärker/DAC A 200 p von beyerdynamic oder dem Hi-Res Digital Audio Player XDP-100R von Pioneer, der V-Moda Zn bot seinen impulsiven, fülligen Charakter stets nachdrücklich und selbstbewusst dar.

 

Eindrucksvoll demonstrierte der Zn dies mit dem an tonaler Komplexität nur schwer überbietbarem Stück „Age Of Adz“ aus Sufjan Stevens gleichnamigen Album. Während das Stück gleich zu Beginn, gleichwohl mit der Subtilität eines M1 Abrams Kampfpanzers, anhand eines pulsierenden Durcheinanders von Instrumenten, Tönen und Rhythmen sich in das Bewusstsein des Hörers zu schieben versuchte, behielt der Zn souverän die Übersicht. Was bedeutete, dass feines Glockenflirren von den Bläsern nicht überschrien wurde und auf- und abschwellende Tonereignisse homogen ineinanderflossen. Statt unschlüssig, zu dicht gedrängt oder all zu kompakt zu wirken, zeigte der V-Moda deutlich, dass er mit ruhiger Hand das Geschehen in seine jeweilig zeitgleich tobenden oder sich gegenseitig ablösenden tonalen Ebenen aufzudröseln vermochte.

 

Ohne jegliche Anzeichen von Fahrigkeit oder Überbrillianz bildete er feinste Details klar und scharf umrissen ab. Dabei gefiel auch seine weit in alle Raumdimensionen hineindringende Abbildungsstruktur und Abbildungstiefe. Die Ortbarkeit der unterschiedlichsten Klanggeschehnisse erfolgte über den Zn mühelos und mit der lässigen Selbstverständlichkeit, als ob man direkt am Ort des Geschehens stünde. Sollte Val Kolton also tatsächlich den Mund nicht all zu voll genommen haben? Tatsache! Der Mittenbereich des Zn wirkte agil, fernab jeglicher Behäbigkeit und schwelgte geradezu in fülliger Farbenpracht.

 

Mit der pieksauberen, tiefen Abbildung ließ er auch feinste Nachhallsequenzen deutlich in die Wahrnehmung rücken, was dem Stück nachweislich Biss und Struktur verlieh. Der sich nahtlos mit breiter Brust einfügende Mittenbereich verlieh der eher zarten Stimme von Sufjan Stevens eine greifbare Substanz und die nötige Sehnigkeit, um in dem hektischen Klangeschehen nicht all zu sehr in den Hintergrund zu geraten. Dazu passte auch der satte Punch in den unteren Oktaven, der den Bassbereich zwar füllig warm aber dennoch sehr straff ohne Überfettungs-Tendenzen aufspielen ließ.

V-Moda Zn In-Ear / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger

 

Der Zn zeigte sich mit dem bestens aufspielenden RHA T20 knapp auf Augenhöhe und lieferte wie dieser ein kraftvoll fundiertes aber dennoch wendig und agiles Klangbild mit fein strukturieren Detailinformationen im Hochton ab. Beim Genrewechsel auf jazzige Kost wie dem Stück „Calypso in Five“ des Helge Lien Trios (Badges And Other Beings) zeigte sich erneut der bruchlos geschmeidige und mit fülliger Kraft aufwartende Klang des V-Moda. Mit reichlich Körper, Struktur und Detail stattete er das Klavierspiel aus um daran einen beweglichen, sauber gefassten und tief hinabreichenden Bassbereich anzuschließen. Und auch wenn er in den oberen Registern mehr Wärme hineinbrachte, ließ er es nicht an Präzision mangeln. Ganz im Gegenteil, alle Bereiche reihten sich zu einer äußerst entspannten Gesamttonalität zusammen, die den Zn sehr schlüssig aufspielen ließ. 

 

V-Moda Zn In-Ear / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger

Dass letztlich, trotz aller Spielfreude des V-Moda, am Astell & Kern AK T8iE als amtierende Referenz kein vorbeikommen war, geschenkt.

 

Gegen dessen frappierende Auflösungspräzision, jener noch emotionaleren Stimmigkeit in höchste Lagen hinauf und der in alle Dimensionen weiter und tiefer reichenden Abbildungsgenauigkeit war einfach kein Kraut gewachsen. Dennoch hielt der V-Moda Zn auf recht hohen Niveau mit, so dass in Anbetracht seines Preises durchaus anerkennender Respekt gezollt werden durfte.

 


FAZIT:


Auch wenn der Zn die Referenz AK T8iE von Astell & Kern nicht vom Thron stoßen kann, ist er ein beeindruckend souverän aufspielender In-Ear. Seine Vielseitigkeit als präziser musikalischer Begleiter einerseits und als robuster, unempfindlicher und für den sportlichen Einsatz alles mitmachender Side-Kick sprechen für ihn.

 

Der kraftvolle, und bei aller Neutralität eher wärmer timbrierte Klangcharakter, sowie die mit 16 Ohm niedrige Impedanz und der hohe Wirkungsgrad machen ihn speziell für verstärkerseitig weniger kraftvolle Smartphones zur idealen Ergänzung. Damit sollte man sich die nächsten Jahre entweder zu sportlichen Höchstleistungen aufraffen können oder wer es da eher mit Cicero hält, den Satz "Nihil agere delectat" (Nichtstun ist angenehm) ausrufend, zufrieden zurücklehnen. 


V-MODA ZN

V-Moda Zn In-Ear / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: V-Moda
  • 90 Pkte Klang
  • 85 Pkte Ausstattung
  • 85 Pkte Verarbeitung
  • 85 Pkte Bedienung
  • 90 Pkte Bassqualität
  • 90 Pkte Neutralität
  • 90 Pkte Feindynamik /
    Präzision

 

Im Vertrieb von Higoto GmbH

Isenbergstaße 20

45130 Essen

 

www.higoto.de

Telefon: +49 (0) 201 – 83 258 25

E-Mail: info@higoto-shop.com

 

 

Preis: 179,95 Euro

 

 

 


Weitere Produkte im Test: