Focal Sphear  In-Ear im Praxistest auf www.audisseus.de

FOCAL SPHEAR  - In EAR IM Praxistest


Autor: Fritz I. Schwertfeger

Bilder: Focal / Fritz I. Schwertfeger


In-Ear Praxistest: Focal Sphear

  

Für die einen sind In-Ear Kopfhörer in der heutigen Zeit ein modisches Accessoire während andere darin ein Schlüsselelement für den populären mobilen Musikgenuss sehen. Aber ein ausgezeichneter Klang kommt nicht von ungefähr und und ist ebenso wichtig wie ein komfortabler Sitz, sonst entsteht schnell eher Frust statt Lust beim Hören. Den Klang aber letztlich dem Design unterordnen? Mit Focal nicht zu machen. Wenn sich also der französische Boxenspezialist Focal, der bereits mit seinen Spirit Kopfhörer-Modellen hohe Anerkennung eingefahren hat, mit der Herstellung seines ersten In-Ears Zeit lässt, dann weckt dies eine hohe Erwartungshaltung. Ob Focal mit dem Sphear den eigenen hohen Ansprüchen gerecht wird, zeigt der Praxistest.


FOCAL SPHEAR


Ganze zwei Jahre Entwicklungszeit investierten die Ingenieure von Focal, probierten dies und jenes aus, konstruierten und stellten die nötigen Komponenten lieber in Eigenregie her, statt sie einfach zuzukaufen. Bereits die Namensfindung suggeriert etwas Besonderes - Sphear - das klingt nach Raum, nach einem geheimnisvollem Ort, einer besonderen Hemisphäre. Oder abgeleitet aus dem lateinischen "sphaera", das etwas kugelartiges, rundes beschreibt. Wie auch immer, in allem steckt ein Funken Wahrheit, denn der Focal Sphear wird allen Punkten gerecht, aber dazu später mehr.

 

Hält man zunächst erst mal die Verpackung des Sphear in der Hand, kommt man um ein Bewunderung ausdrückendes "Mon Dieu" gar nicht herum. Geradlinig und schörkellos präsentiert sich der Sphear bereits bei der ersten visuellen Kontaktaufnahme, flugs also ausgepackt folgt schon die nächste erfreuliche Überraschung.  Die Franzosen zeigen sich beim Lieferumfang durchaus spendabel und statten ihren In-Ear mit einem stabilen aber erfreulich kompakten Etui für unterwegs aus. Darin können zwar nicht alle in reichlicher Auswahl und Größe mitgelieferten Ohranpassstücke (insg. sechs Paare) mit auf die Reise gehen, aber zumindest für ein Ersatzpärchen und den praktischen Flugzeugadapter findet sich Platz. Und sollte mal ein Anruf hereinkommen, kein Problem, der Sphear verfügt über ein am Kabel angebrachtes Mikrophon, so dass freihändiges Telefonieren problemlos möglich ist. Folgt man dem Mikrophon stromabwärts, so findet sich etwa am oberen Drittel des Kabels ein kreisrundes Element, dass sich als Ein-Tasten-Bedientableu entpuppt, übrigens gleichermaßen für iOS und Android Geräte. 

 

 

Einmaliges Betätigen der silbernen Taste mit dem Focal-Enblem auf diesem Bedienfeld bewirkt die Annahme und das Auflegen eines Anrufs, während mehrmaliges Drücken die für die Musiksteuerung wichtigen Funktionen wie Play/Pause/Skip beinhaltet. Vermissen wird man an dieser Stelle lediglich eine Funktion und zwar die Lautstärkeregelung. Aus gleich zwei Gründen verzichtet Focal auf eine Lautstärkeregelung im Kabel: Android oder iOS Devices benötigen jeweils ein eigenes Kabel, was bedeuten würde, das zwei Ausführungen des Sphear in den Verkauf müssten. Das führt im Endergebnis zu höheren Kosten und de facto also zu einem höheren Preis. Außerdem, und das liegt in der Gewichtung der Franzosen  deutlich höher, beeinflusst ein Lautstärkeregler im Kabel immer den Klang, also wählte man bewusst den Weg des Verzichts. 


FOCAL SPHEAR

Focal Sphear  In-Ear im Praxistest auf www.audisseus.de

Kein Verzicht hingegen gibt es beim qualitativen Anspruch und der Optik. Bereits der verchromte 3,5 mm Klinkenstecker des robusten Kabels wirkt edel während die weiteren "bling bling" (ebenfalls verchromt) Einfassungen des Mikrophons für optische Kontraste sorgen. Schwarz und schimmernder Edelstahl sind die dominierenden Farben des Sphear. Nähert man sich dem In-Ear, fällt das im Verhältnis zu anderen vergleichbaren In-Ear Hörern größere Gehäuse ins Auge. Dieses, aus schwarzem Kunststoff bestehend, bietet ein entsprechend großes Volumen, was schon mal Grundlage für einen satten Sound darstellt. Die Rückseite des In-Ears präsentiert sich aus polierten Edelstahl mit funktionellem Focal Emblem. Funktional deswegen, weil das Focal Signet neben dem optischen Reiz auch für die rückseitige Hinterlüftung der Mylar-Membran sorgt. Dadurch sollen insgesamt nicht nur zurückreflektierende Schallanteile vom Treiber ferngehalten werden, sondern in Kombination mit dem größeren Innenvolumen ein höherer Wirkungsgrad, geringere Verzerrungen und später einsetzende Kompression realisiert werden.  

Das dezentral angeordnete Auslass-Element am Sphear Gehäuse sorgt im Verbund dem abgerundetem Gehäuse für eine bessere Positionierung, sowie eine Gewichtsverlagerung der Gehäuseflanken in Richtung Ohrmuschel. Die zunächst etwas ungewöhnliche Größe, erfordert zwar eine gewisse Eingewöhnung, aber der sich schnell einstellende hohe Tragekomfort gleicht dies umgehend wieder aus. 

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HÖRTEST


Sowohl über die  portablen HiRes-Player Referenzen Astell & Kern AK 380 und Calyx M, als auch am MacBook über den externen Kopfhörer-verstärer/DAC audio-technica AT-PHA100, durfte der Sphear nach mehrtägiger Einspielzeit sein klangliches Können beweisen.

 

Der Focal machte sich sein großzügig bemessenes Gehäuse durchaus geschickt zu eigen und bereits nach den ersten Testreihen wurde schnell klar, dass der Sphear ein ganz besonderes, verführerisches klangliches Bouquet mit eigenem Charakter an die Ohren lieferte. Von hoher Homogenität und fülligem Klangbild getragen, zeichnete der Sphear mit großer, weiter klanglicher Farbpalette,  blieb dabei aber stets feinfühlig, ohne dick aufzutragen. Sicherlich auch ein Verdienst des großen Treibers, der unangestrengt wie verzerrungsfrei auch brachiale Bassattacken zum Besten gab. Und speziell der Bassbereich überzeugte durch seinen kraftvollen Punch, zeigte definierte Straffheit und federnde Beweglichkeit zugleich. 

 

Focal Sphear  In-Ear im Praxistest auf www.audisseus.de

 

Überaus entspannt und kultiviert zeigte sich der Focal auch im Hochtonbereich. Er löste fein auf und ließ der Musik reichlich Raum und Dimensionalität. Klassische Werke, wie z.B. Arnold Schönbergs - Die Jakobsleiter -,  deren stimmliche  Gesangspartien stellenweise durchaus mit ausgeprägten Sibilanten gespickt sein können, parierte er stressfrei mit französischer Gelassenheit. Dabei unterschlug einer keineswegs Informationen, sondern ließ mit charmant eleganter Gangart, sanft glänzende, fein ziselierte Strukturen an die Ohren.

 

So tönte auch Scout Nibletts Stimme in "Kiss" (This Fool Can Die Now) wunderbar klar und frei, während die dominant angespielte E-Gitarre plastisch und mit deutlich vernehmbaren ausklingenden Hall zum Tragen kam. Die plötzlich einsetzende Basstrommel drückte der Sphear mit Ausdrucksstärke und Kraft in die Gehörgänge, ließ dabei ein sehr räumliches, ausgeglichen neutrales und mit viel Struktur aufwartendes Klangpanorama entstehen.


Fazit:


Focal legt mit dem Sphear ein mehr als nur außerordentlich gelungenes In-Ear Debüt hin. Der Sphear besticht durch hohe Anfassqualität, saubere Verarbeitung und einen wohltemperierten, ausdrucksstarken Klang. Diesen kennzeichnet ergänzend eine füllige und breit ausdifferenzierende Räumlichkeit. Für den abgerufenen Preis von 129 Euro ein mehr als beeindruckender, um nicht gar zu sagen, fulminanter Einstand. Focal setzt mit dem Sphear den Weg, der mit der erfolgreichen Spirit Kopfhörer-Serie  eingeschlagen wurde, konsequent fort. Die Entwicklungen und Erfahrungen der größeren Serien fließen hörbar in den Sphear ein und machen aus diesem einen klangstarken und rassigen Beau.  

 

Focal

www.focal.com

Preis: 129,00 Euro 


RHA T10i / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger / audisseus.de
  • 90 Pkte Klang
  • 85 Pkte Ausstattung
  • 85 Pkte Verarbeitung
  • 80 Pkte Bedienung
  • 95 Pkte Bassqualität
  • 95 Pkte Neutralität
  • 90 Pkte Feindynamik /
    Präzision

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