Audeze EL-8 / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger / www.audisseus.de

AUDEZE EL-8 - OVER EAR IM PRAXISTEST


Autor: Fritz I. Schwertfeger

Bilder: Audeze / Fritz I. Schwertfeger


Ein Kopfhörer-Modell in gleich zwei Ausführungen anzubieten ist durchaus ein besonderer Luxus, den sich nicht viele Hersteller trauen. Sowohl die geschlossene als auch die offene Variante des magnetostatischen Kopfhörers von Audeze, machen es Entscheidungsneurotikern somit noch schwerer sich für den einen oder anderen Kandidaten zu entscheiden. Denn beide sehen nicht nur edel aus, sondern klingen auch außergewöhnlich.


AUDEZE EL-8 - VARIANTENREICHTUM


Der aus dem kalifornische Santa Ana stammende Hersteller Audeze hat, um das vorneweg kurz zu erwähnen, das Kunststück vollbracht sich innerhalb weniger Jahre vom Nobody zum Mythos der Szene zu mausern. Waren Kopfhörer nach dem magnetostatischen Prinzip eher seltene Exoten, brachten die Amerikaner mit ihren Kopfhörern der LCD-Serie nicht nur neue Konzepte und Ideen, sondern auch ordentlich Bewegung in den Markt.

 

Ein weiteres Kapitel schlägt die EL-8 Serie auf, die mit drei Modellen aufwartet. So findet sich neben dem geschlossen konstruierten "Closed Back" und dessen offen konstruierten "Open Back" Zwilling auch der geschlossene EL-8 Titanium wieder.

 

Neben anderer, äußerer Farbausrichtung und ausgestattet mit eigenem, kabelseitigen Kopfhörer-Amp und Wandler kommt der Titanium was das zuspielende Device anbelangt,  auch ohne 3,5mm Klinkenanschluss aus. Allerdings bedient sein "Cipher" genanntes Lightning-Kabel bisher nur den iOS-Kosmos, Android Nutzer bleibt der Zugriff auf das mitgelieferte, konventionelle Klinkenkabel. 

 

Um so bemerkenswerter also, wie schnell es die Kopfhörer von Audeze geschafft haben weltweit, sowohl in Studio-Kreisen als auch bei ambitionierten Klang-Enthusiasten ein derart hohes Renommee einzufahren.  

 

 


AUDEZE EL-8 - VOLKSMAGNETOSTAT


Mit dem EL-8 und dessen Preisgestaltung, welche mit einem Betrag um die 800 Euro zwar nicht günstig aber dennoch unterhalb der LCD-Serie angesiedelt ist, richtet sich Audeze an eine breitere Zuhörerschaft. Aber nicht nur das, wer einen Kopfhörer der LCD-Serie sein Eigen nennt, wird diesen nur ungern außer Haus mitnehmen wollen.

 

Und auch deren Gewicht und größenmäßige Opulenz dürfte nicht dazu beitragen, dass man sie irgendwo außerhalb des stationären Einsatzes mit sich führt. Wer dann wiederum mit On-Ear oder In-Ear-Kopfhörer nicht viel am Hut hat, der dürfte sich über die niederohmige EL-8 Serie, die auch den EL-8 Titanium und das Cipher-Kabel einschließt, um so mehr freuen.

 

Audeze EL-8 / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger / www.audisseus.de

 

Nicht nur die Errungenschaften  der kostspieligeren Ahnenreihe finden sich zu einem geringerem Preis wieder, sondern auch neue technische Aspekte, die der EL-8 Serie einen eigenständigen Charakter verleihen. 

 

So lassen sich die EL-8 Modelle durchaus im stationären Einsatz daheim an der Anlage oder dedizierten Kopfhöreramp oder aber auch gerne unterwegs am Digital Audio Player adäquat betreiben.

 

Auch wenn ihnen hier die niederohmige Auslegung durchaus in die Karten spielt, empfiehlt sich auch im mobilen Einsatz ein externer Kopfhöreramp um das Klangpotential des Magnetostaten nicht brach liegen zu lassen. 


AUDEZE EL-8 - DESIGN


Audeze EL-8 / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger / www.audisseus.de

 

Aber wieder zurück zum EL-8 der bereits mit seinem Erscheinen und auch allein aufgrund seines Designs für Aufsehen sorgte. Betrachtet man den EL-8 im direkten Vergleich mit seinen größeren Geschwistern aus der Audeze Produktfamilie fällt umgehend die neue Formensprache auf.

 

Statt üppiger kreisrunder und holzummantelter Ohrmuscheln zeigt sich der Ausdruck eines futuristisch-organischen Designs. So findet sich das typische Audeze Kreisrund durchaus wieder, aber diesmal bei näherer Betrachtung konkav eingefasst innerhalb eines Ovals. Der Korpus der Ohrmuschel selbst führt auch den typischen Look der Holzelemente, die sich sonst in der LCD-Serie wiederfinden elegant auf. 

 

Audeze EL-8 / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Audeze / www.audisseus.de

 

Daran schließen nahtlos die üppig ausgeführten und asymmetrisch geformten Ohrpolster aus feinem Kunstleder an. Deren Polsterung schirmt nicht nur Außengeräusche sehr gut ab, sondern sorgt auch dafür, dass der EL-8 selbst bei längeren Hörsessions trotz seines Gewichts von 460 Gramm bequem auf dem Kopf sitzt. Das Metallband, welches die Ohrmuscheln mit einem raffiniertem Drehscharnier einfasst, ist auf der seiner Unterseite im Kopfbereich ausreichend gepolstert. Damit gelingt Audeze der Spagat von ausreichender Polsterung in Sachen Komfort ohne davon das schnörkellose Design zu stören.

 

Von einem nüchternen Design zu sprechen, wäre wiederum vermessen. Vielmehr entstand aus der Kooperation mit dem Designteam der BMW Design Group eine Art „Industrial Design“, welches klare, fließende Linien aufgreift und einen kraftvollen Ausdruck mit vollkommen frei von jeglichem Barock und Schnörkel zeitlos elegant kombiniert. 


AUDEZE EL-8 - TECHNIK


Audeze EL-8 / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Audeze  / www.audisseus.de

 

Magnetostatischen Kopfhörern wird im Allgemeinen eine über das gesamte Frequenzspektrum lineare und kohärente Spielweise und ein feines Auflösungsvermögen nachgesagt.

 

Dafür sorgt der magnetostatische Wandler, der mit einer quasi trägheitslosen Reaktion seiner 100 mm großen planaren Membran auftrumpft. Die zwischen zwei Magnetfeldern positionierte Membran wird über auf ihr aufgebrachte, feine elektrische Leiterbahnen - auf denen das Musiksignal aufliegt - in Schwingung versetzt. 

 

Und das derart fix, dass blitzschnelle Impulse ohne Verzögerung exakt nachgebildet werden. Konventionelle Wandler haben hier das Nachsehen, müssen sie mit einer konstruktionsbedingten Trägheit durch die Kolbenbewegung leben.

 

Als optimale Energielieferanten bieten sich hier sich gegenüberliegende Neodym-Magnete in Stabform an. Audeze geht hier einen Schritt weiter und verwendet ein sogenanntes Fluxor-Magnet Array, das die doppelte Energiedichte bei gleichem Platzverbrauch zuliefert.

 

Der Antrieb der Membran erfolgt nicht nur partiell, sondern quasi vollflächig. Das sorgt so für noch geringere Partialschwingungen und somit eine gesteigerte, klarere Sauberkeit im Klangbild. Aber damit nicht genug, sogenannte akustische Fazor Elemente sorgen für einen verbesserten Phasengang und eine breiter eingefasste räumliche Wirkung, in dem sie den Schall zielgerichtet streuen.

 


HÖRTEST


Seine besondere Spielweise stellt der EL-8 am unbestechlichen Chord Mojo bereits unmittelbar nach den ersten Takten von Underwolds "Twist" aus dem "A Hundert Days Off" Album unter Beweis. Ohne dabei in irgendeiner Form aufdringlich zu wirken, offenbaren sich feinste Details und eine sagenhafte Impulsschnelligkeit. Hi-Hats bleiben straff umrissen, ohne auszufranzen oder überspitzt zu wirken, während sie gleichzeitig eine gewisse güldene Grundcharakteristik mit auf dem Weg bekommen und somit nicht "right in your face" wirken. Luftig, zart will man das feine Hochtonspiel beschreiben, klar und dennoch bei aller Brillanz angenehm kultiviert.

 

Verglichen mit einem beyerdynamic DT 1770 PRO, zeigt dieser zwar im Hochton mehr Dichte und Energie, was der EL-8 aber mit seiner entspannteren, seidigeren Gangart bei einem trotzdem  hohen Grad an Auflösung, gepaart mit einer besonderen Luftigkeit, wieder souverän ausgleicht. 

 

Durch die kohärente und homogene Spielweise wirkt  der Spielfluss unangestrengt und quicklebendig. Was im Vergleich zu anders abgestimmten Kopfhörern wie beispielsweise einem Meze 99 Classics unmittelbar auffällt, ist die schlankere Abstimmung, speziell im Mittenbereich. Hier tritt der geschlossene  EL-8 förmlich ungeschminkter auf und zeichnet mit filigranerem Pinselstrich auf. Tonal also eher ein Stückchen weit weniger warm temperiert, widmet sich der geschlossene EL-8 mit mehr Transparenz dem mittleren Frequenzbereich, während der offene EL-8 hier wiederum etwas mehr Seidigkeit an den Tag legt. Nicht ganz so streng und beflissen wie der geschlossene EL-8, schwelgt dieser in einer Art sphärischer Grundgelassenheit.

 

Nicht das wir uns falsch verstehen, in Sachen Räumlichkeit, also Breite und Staffelung der Bühne öffnen beide einen weitreichendes Klangpanorama. Etwas näher und direkter am Geschehen zeigt sich der geschlossene EL-8, wobei er für einen geschlossenen Hörer eine außergewöhnliche Tiefe und Weite erreicht, während über den offenen EL-8 noch eine Spur mehr Raum und Ausdehnung zwischen den einzelnen Klangelementen wahrzunehmen ist. 

 

Beide Audeze Kopfhörer zeigen sich auch in den unteren Oktaven, verglichen mit dem 99 Classics schlicht neutraler und tonal schlanker, was aber wiederum der Basspräzision deutlich zugute kommt. So ist beiden ein ausreichend tief hinabreichendes Bassfundament gemein, das beim geschlossenen EL-8 mit mehr Punch und interessanterweise auch konturierter Fülle rüberkommt, während der offene EL-8 sich hier etwas weicher aufgehängt und was den Druck und die Schwärze angeht, schlicht ein Stückchen zurückhaltender gibt. Was nicht heißt, dass er schwach auf der Brust wäre, das nicht, er überlässt dafür dem Mittenbereich ein wenig mehr Fülle und Luft, was der Gesamttonalität zu einer entspannteren Spielweise verhilft. 

 

FAZIT:


Sowohl der offen konstruierte als auch der geschlossen konstruierte Audeze EL-8 sind mit ihrer ausgewogenen und neutralen Spielweise faszinierend klingende Kopfhörer, die sich quer durch alle Musikgenres wohlfühlen und einen ungeschminkten Blick auf das tonale Geschehen erlauben.

 

Ohne künstliche Übertreibungen oder einer wohlgefälligen Fokussierung auf ein Frequenzband, spielen beide mit hoher Ausgewogenheit und eher tonal neutralem Grundcharakter. Zu ihrer greifbaren Plastizität und weitreichenden Räumlichkeit gesellt sich auch eine zackige Rhythmik, die der Musikwiedergabe zu einer dynamischen und lebhaften Grundtonalität verhilft.  

 

Trotz relativ geringer Impedanz und gutmütigem Anforderungsprofil empfiehlt sich der Einsatz eines externen Verstärkers, denn einfach an ein Smartphone angeschlossen spielen beide EL-8 weit unter ihren Fähigkeiten. Anlass zu kritischer Betrachtung gibt höchstens das relativ hohe Gewicht, während wiederum die piekfeine Verarbeitung und die hochwertige Materialanmutung für die amerikanischen Beaus spricht.

 

Unterwegs an einen Chord Mojo oder ein RHA DacAmp, zu Hause beispielsweise an einem beyerdynamic A20 oder dem aus gleichem Hause stammenden Audeze Deckard angeschlossen, gewinnen die Magnetostaten die nötige Souveränität und lassen ihre betont neutrale Gangart eine besondere Liaison mit intensiver Homogenität und transparenter Spielfreude eingehen. Summasummarum bieten beide EL-8 eine enorm hohe Klanggüte, prädestiniert für langzeittaugliches Hörvergnügen.  


AUDEZE EL-8


Audeze EL-8 / Praxistest auf www.audisseus.de / Foto: Fritz I. Schwertfeger / www.audisseus.de
  • 94 Pkte Klang
  • 95 Pkte Ausstattung / Verarbeitung
  • 90 Pkte Brillanz
  • 90 Pkte Mittenqualität
  • 90 Pkte Bassqualität
  • 105 Pkte Neutralität 
  • 95  Pkte Feindynamik /
    Präzision


audioNEXT GmbH

Isenbergstraße 20

D-45130 Essen

 

Telefon: +49 (0)201 – 507 39 50

E-Mail: info@audionext.de

Internet: www.audionext.de 

www.audionext.de

 

Preis: 829,00 Euro


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