beyerdynamic AK T8iE /  Praxistest auf www.audisseus.de
Foto: beyerdynamic

ASTELL & KERN IN-EAR AK T8iE  - Praxistest


Autor: Fritz I. Schwertfeger

Bilder: beyerdynamic / Fritz I. Schwertfeger

 

In-Ear Praxistest: Astell & Kern AK T8iE – Neuer Maßstab?

  

Lange Zeit war es still um den Heilbronner Kopfhörer-Spezialisten beyerdynamic. Während andere namhafte Hersteller mit Neuigkeiten glänzten,

hielten sich die Schwaben still zurück um nunmehr mit einem, nein, besser gesagt mit gleich mehreren Paukenschlägen in Erscheinung zu treten. Als erster aus dieser Serie betritt der In-Ear Kopfhörer AK T8iE das Rampenlicht, der mit einem respektablen Preis von 990 Euro nicht nur die Speerspitze im In-Ear Sortiment von beyerdynamic / Astell & Kern darstellt, sondern auch nach dem Referenz-Thron in diesem Segment greift.


ASTELL & KERN AK T8iE

Wie kommt nun aber Astell & Kern ins Spiel? Nun, man erinnerte sich bei beyerdynamic an die bereits fruchtbare Zusammenarbeit  mit den

koreanischen Entwicklern -  z.B. beim hervorragend klingenden portablen DAC/Kopfhörerverstärker A 200 p. Sowohl die Ingenieure bei beyerdynamic, als auch die des Herstellers für mobile High-End-Player hielten die Zeit reif für ein besonderes Projekt. Der beste HiRes-Player nützt im Grunde nichts, wenn die Kopfhörer zum Flaschenhals werden. Viele Anwender stehen oft vor dem Problem zwar hervorragende Kopfhörer zu besitzen, doch sind diese meist Bügelhörer und aufgrund ihrer hohen Impedanz (Ohmzahl) eher für den Heimbetrieb als für den mobilen Einsatz geeignet. Und genau hier kommt die Kooperation von beyerdynamic und Astell & Kern ins Spiel, die mit dem AK T8iE als Ergebnis, den weltweit ersten In-Ear mit Tesla-Technologie hervorbringt. Es galt nicht irgendeinen Kopfhörer für unterwegs zu entwickeln, sondern einen ultraportablen, hochqualitativen In-Ear, der die hochwertigen Hi-Res Inhalte eines Astell & Kern Players (aber nicht nur) verlustfrei zu Gehör bringt. Damit die Verstärkersektion eines portablen Digitalplayers nicht permanent in den Grenzbereich getrieben wird, stand Niederohmigkeit und Wirkungsgradstärke ebenfalls schnell im Lastenheft. Und so wurde letztlich der Gedanke geboren, die bewährte und in Kennerkreisen äußerst geschätzte Klangsignatur der Tesla-Hörer auf ein In-Ear

System herunter zu zoomen.  

 

ASTELL & KERN AK T8iE

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Foto: beyerdynamic

Soweit zur Theorie, die immer leichter gesagt als umgesetzt ist. Bei der Tesla-Technologie kommt ein besonders starker magnetischer Antrieb zum Einsatz, der nicht wie sonst üblich im Zentrum des Systems sitzt, sondern ringförmig um die Spule herum residiert. Mittels einer spezie-llen Maschine wird der hauchdünne Kupferdraht der Schwingspule auf die Membran präzise aufgewickelt. Beyerdynamic gelang mit der Tesla-Technologie auch das Kunststück die magnetische Flussdichte zu erhö-hen, was nicht nur den Wirkungsgrad steigert, sondern auch leichtere und filigranere Schwingspulen ermöglicht. Ein leichterer Antrieb wiede-rum realisiert ein schnelleres, impulstreueres Verhalten der Membran und damit ein verzerrungsärmeres und detailreicheres Klangbild. 

 

So erklärte Klaus Hanselmann von beyerdynamic, dass die Miniaturisierung der Tesla-Technologie für den Einsatz in einem In-Ear nicht nur  

vollkommenes Neuland war, sondern die Ingenieure auch vor besondere Herausforderungen stellte. Dass diese letztlich mit dem vorliegenden Ergebnis gemeistert wurden, lässt die Entwickler nicht ganz ohne Stolz auf ihr Werk zurückblicken, so Klaus Hanselmann abschließend. Unter anderem mussten die für den Herstellungsprozess erforderlichen Maschinen, die zum Aufwickeln des hauchdünnen und mit dem Auge kaum noch sichtbaren Schwingspulendrahtes auf die zum Einsatz kommenden Membranen eigens erdacht, konstruiert und gebaut werden. Als wirklich besonders und einmalig ist festzuhalten, dass bei den enorm kleinen Treibern des AK T8iE, die übrigens komplett im Heilbronner Werk gefertigt werden, tatsächlich Ringmagnete verwendet werden und sich damit die Kerneigenschaft des Tesla-Schallwandlers - der extrem starke Antrieb - auch in der miniaturisierten Form wiederfindet.  Weiter in filigraner Handarbeit gefertigt, trägt der beyerdynamic damit zurecht und voller Stolz das "Made in Germany" Signet.

beyerdynamic AK T8iE /  Praxistest auf www.audisseus.de
Foto: beyerdynamic

 

 

Nähert man sich (voller Neugier und Ungeduld) dem AK-T8iE, fällt zunächst die

Detailverliebtheit der luxuriös gestalteten Verpackung ins Auge. Einem ausziehbaren Schmuckkästchen nachempfunden, verbergen sich im unteren Schubfach die für eine optimale Passform wichtigen und klanglich nicht zu unterschätzenden Ohranpassstücke, sowie die mit mit Leder umfasste, superedle Transportbox. Ein nicht richtig sitzender

In-Ear bedeutet letztlich verschenkten Klang. Aus diesem Grund liegen dem AK-T8iE in fünffacher Größenausführung, spezielle ovalförmige Ohranpassstücke bei, die sich nicht nur als besonders anschmiegsam, sondern auch als enorm komfortabel in der Praxis erwiesen. Wer lieber mit den schaumstoffweichen Comply-Einsätzen unterwegs ist, kommt auch hier auf seine Kosten, ganz unbescheiden legt beyerdynamic dem AK T8iE gleich drei Paar davon bei. 

 

 

Hält man schließlich den In-Ear in den Händen, dann fällt zunächst sein geringes Gewicht und seine ungewöhnliche, aber angenehm weiche

Materialbeschaffenheit auf. Das Gehäuse besteht aus einem zähen Gemisch von ABS und Polycarbonat, das in mehreren Schritten beschichtet wird. Gegen Ende des Prozesses wird das Gehäuse mittels eines vakuumbasierten Beschichtungsverfahrens mit einer speziellen Legierung aus Chrom versehen, derer sich auch  ein nicht näher benannter Sportwagenhersteller bedient. Fährt man mit dem Finger über den AK T8iE, wird eine fließend harmonisch wirkende Linienführung deutlich, die keiner strengen Geometrie unterworfen ist. Diese, dem Ohr quasi als Gegenstück abgeleitete Form soll für angenehmen Tragekomfort und einen besseren Sitz im Ohr sorgen. 

 

In der Praxis lässt sich der Tragekomfort mit einfachen Worten als schlicht phänomenal beschreiben. Denn das außergewöhnlich leichte Gewicht des beyerdynamic-Duos in Verbindung mit den speziell geformten, sich an den Hörkanal anschmiegenden Ohranpassstücken ist ein absolutes Novum, verglichen mit herkömmlichen In-Ears. Enormer Aufwand wurde auch bei der Formfindung des Gehäuses betrieben - unter Bezugnahme unzähliger Messdaten weltweiter Außenohren (Ohrmuscheln und Gehörgänge) wurde so ein Design erschaffen, dass für idealen Sitz im Ohr sorgen soll. Der Weg bis hin zur finalen Gehäuseform stellte sich als ein langer Prozess dar.  

 

 

Das zart wirkende Kabel hat es faustdick hinter den Ohren - so filigran es auch wirkt, durch seine Verstärkung aus Kevlar, ist es enorm robust und

unempfindlich, hart genug für den ruppigen Alltag also. Unwarscheinlich, dass es mal den Dienst verweigert. Das Kabel wird um das Ohr herum geführt und stabilisiert dadurch den Sitz. An diese zunächst unüblich anmutende Trageweise gewöhnt man sich sehr schnell und will sie hinterher kaum missen, sorgt sie so nicht nur für ein aufgeräumtes Kabel, sondern macht dieses auch weniger anfällig für störende Mikrofonie-Effekte, da es nicht unkontrolliert scheuert oder herumbaumelt. Ein weiteres besonderes Merkmal des AK T8iE sind die MMCX-Steckverbinder. Die präzise einrastende Steckverbindung wird in dieser speziellen Form eigens für beyerdynamic gefertigt, da die im Handel erhältlichen Systeme für den filigranen AK T8iE schlicht zu groß waren. Das System erlaubt den Kabelwechsel in Sekundenschnelle - insofern auch von Bedeutung, da dem Hörer gleich zwei Kabel beiliegen. Zum einen das mit dem gewohnten 3,5 mm Klinkenstecker versehene unsymmetrische, sowie als Besonderheit ein vierpoliges, mit einem 2,5 mm Klin-kenstecker ausgestattetes, symmetrisches Kabel. Letzteres bietet den Vorteil an den symmetrischen Ausgang der Astell & Kern Player andocken zu können und so unter Verwendung eines zweiten Signalleiters (mit 180 Grad Phasenversetzung) im Kabel, für eine Auslöschung möglicher Störanteile in der Signalübertragung zu sorgen. (Ergo, ein reines Nutzsignal ohne Störanteile.)

 


HÖRTEST


 

Angeschlossen an die portablen HiRes-Player Referenzen Astell & Kern AK 380 sowie Calyx M, zeigte sich schnell, dass der AK T8iE über einen

enormen Wirkungsgrad verfügt. Beim AK 380 erreichte er bereits im mittleren Regelbereich sehr hohe Pegel, beim Calyx M bereits ein wenig früher. Ebenfalls hohe Pegel waren dem In-Ear auch via Smartphone oder Tablet zu entlocken. Beruhigend zu wissen einerseits, dass auch dynamische Sprünge beispielsweise bei klassischen Werken präzise und mit mehr als ausreichend Pegel wiedergegeben werden können. Letztlich aber, ist dies

im Grunde von sekundärer Bedeutung, denn der AK T8iE löste auch bei gehörschonend geringen Lautstärken sehr fein auf, so dass auch leise detailliert gehört werden konnte. 

 

Low-Fi / Singer-Songwriter

Nachdem der beyerdynamic eine 50-stündige Einspielphase hinter sich gebracht hatte, durfte er sein Können unter Inanspruchnahme des

Astell & Kern AK 380 mit „The Body Burned Away“ von Songs: Ohia  (Ghost Tropic) unter Beweis stellen. Und was für ein Einstand – um es kurz zu machen, es war diese ansatzlose, schwerelose Gangart, die ihn Musik nicht einfach nur reproduzieren ließ. Es war vielmehr diese magische, schwer

zu fassende Gabe, den Impetus der Musik wie eine suchtmachende Droge tief in das Bewusstsein einfließen zu lassen. Besonders bemerkenswert

war die plötzlich, im Vergleich zu anderen In-Ears, schlagartig präsente Ausdruckskraft, mit welcher in diesem Fall die facettenreich düster temperierte Hoffnungslosigkeit in Jason Molinas Stimme für Gänsehaut sorgte - nichts wirkte artifiziell oder künstlich. Das Stück mit dem AK T8iE zu hören war viel mehr als das, er machte das Stück miterlebar, nein, besser gesagt miterleidbar.   

 

Punk-Rock

Klar, differenziert und mit bestechender Impulsivität spielte der beyerdynamic auch bei „I Wanna Be Your Dog“ von Iggy Pop (Live in Cleveland –

1977), dass es einen förmlich vom Stuhl riss. Wo andere Hörer, die eigentlich gar nicht mal so komplexe Innenarchitektur dieses Stücks als

kompakten, schwer definierbaren Musikblock ausspien, glänzte der Heilbronner In-Ear  mit einer akkuraten und kontrollierten Trennschärfe. Das Schlagzeug im Hintergrund ging nicht einfach unter, sondern feuerte klar wahrnehbar aus allen Rohren, während es den fast schon schizophrenen Gitrarrenriffs die manische Unterfütterung gewährte. Und auch wenn sich andere, bestens bewährte In-Ears wie die enorm musikalischen RHA´s in Position brachten, keinem gelang es im direkten Vergleich, den AK T8iE in ernsthafte Verlegenheit zu bringen. Der bärige T10i von RHA bot zwar einen kernigeres, wilder wirkendes Tieftonfundament, musste sich aber der präziseren Konturierung und flüssigeren Spielweise geschlagen geben. Und auch wenn der im Ver-gleich zum T10i feiner auflösende T20 tapfer dagegen hielt und seine geschmeidige, transparent offene und agile Spielweise in die Waagschale legte, demonstrierte aber auch hier der AK T8iE mit seiner lebendigeren, noch weiter ausdifferenzierenden Abbildungstiefe und neutraleren Homogenität, dass an ihm einfach kein Vorbeikommen war. 

Jazz

So ließ der beyerdynamic bei „Moanin“ von Art Blakey & The Jazz Messengers (Jahrhunderaltbum Moanin)  seine mit fein auflösenden und

dennoch in samtigen Detailreichtum schwelgende Signatur aufblitzen. Während das Klavierspiel mit reichlich Körper und Struktur auftrumpfte, differenzierte der Hörer mit sicherer Hand das einsetzende Spiel von Saxophon und Trompete nicht nur sorgsam aus, sondern gab es mit akkurater Natürlichkeit wie-der. Dabei verlieh er den Instrumenten sonore Fülle und eine präzise, nachvollziehbare Positionierung in Raum und Dimension.

Und als ob das nicht bereits genug wäre, fügte er noch eine besonders griffige Impulsivität und Leichtigkeit bei.  Selbst bei lauteren Pegeln erlaubte sich der beyerdynamic keine Anzeichen von Anstrengung oder Kompression, lieferte statt dessen unangestrengt eine breite, wendige und sehr temporeiche Darbietung ab. In den tieferen Registern tönte der AK T8iE definiert umrissen, druckvoll, voluminös und gleichzeitig kraftvoll, flink und präzise. Betörend warm und gleichzeitig mit kesser Galanterie kokettierend auch der Hochton, weich federnd die Mitten die vor Farbenpracht nur so strotzten. Dieser höchst souverän agierende In-Ear verstand es das musikalische Gesamtgebilde mit Finesse und Impulsivität wiederzugeben. Dabei konzentrierte er sich nicht nur auf einzelne Feinheiten, richtete statt dessen seinen Focus auf die ineinander fließenden Strukturen. Das Stück war

nun nicht nur als ein Mosaik seiner einzelne Faktoren wahrnehmbar,  nein, es entfaltete vielmehr einer derartige Sogwirkung, dass es immer und immer wieder, die Zeit vergessend, in Dauerschleife lief. 

Klassik

Bei klassischen Stücken wie z.B. bei Arnold Schönbergs „Verklärter Nacht Op. 4“ für in der Fassung für Streichorchester (Sony Classical, Pierre

Boulez) machte der AK T8iE das Wechselspiel von erster und zweiter Violine zum grandios durchhörbaren Erlebnis. Zart, grazil und mit feinchangierender Akkuratesse folgte er jeder noch so kleiner Nuance und verlieh im weiteren Verlauf Cello und Bratsche eine tiefe, greifbare Struktur. Den fiebrig wirkenden Dialogen in Schönbergs Schöpfung hauchte der beyerdynamic eine derart beängstigend lebendig wirkende Dramatik ein, dass es dem Autor dieser Zeilen förmlich fröstelte. Die Kompromisslosigkeit mit der die unmittelbar wie aus dem Nichts kommenden wuchtigen Passagen mit Kontrolle und satter, sonorer Kraft wiedergegeben wurden, war beispiellos. Scheinbar mühelos und ohne eine Verkleinerung des Orchesters vorzunehmen, blieb er in der instrumentelen Staffelung enorm homogen und plastisch. Dabei platzierte er mit temporeicher Spielfreude die Instrumente derart füllig wie lebensecht und mehrdimensional im Raum, als säße man selbst im Orchestergraben. 

 

Fazit:


 

Mit mit dem Astell & Kern (beyerdynamic) AK T8iE rastete das Klangbild gefühlt richtig ein, betörte mit Authentizität und einer von seidiger Variation und leuchtender Ausdruckskraft getragenen Leichtigkeit, dass es einem sprichwörtlich die Sprache verschlug.  Bemerkenswert vor allem diese

vorher selten gehörte Natürlichkeit und Distanzlosigkeit zum musikalischen Geschehen, die sich mit dem beyerdynamic In-Ear schon bei den ersten Takten eines jeden Stücks einstellte. Es war, als ob sich mit dem AK T8iE  ein sonst hinter unsichtbaren Schranken verborgener Zugang auftat - direkt zur anamorphen Seele  der Musik. Der beyerdynamic spielte samtig, nuanciert und dennoch mit gleißendem Eifer. Dabei ging er außerordentlich

agil, dynamisch und präzi-sionsverliebt konturiert zu Werke. Mit enormer Klarheit und breit aufgefächertem Farbenrepertoire überzeugte seine Darbietung im Mitteltonbereich. Der Bass zeigte sich füllig aber definiert und muskulös, herrlich tight umrissen wie ein junger Olympionik. Mit einem perfekten Timing und einer abgrundtiefen Weiträumigkeit brachte der AK T8iE musikalische Werke episch, erruptiv und mit einer bahnbrechenden Ungezwungenheit zu Tage. Mit dem beyerdynamic findet die audiophile Gralssuche, zumindest auf diesem Feld, vornehmlich und für den Moment ein Ende. Wer hier angekommen ist der kann rasten, genießen und sich im musikalischen Elysium wähnen - der beyerdynamic AK T8iE ist für audisseus.de in der Tat der Maßstab und neue In-Ear Referenz. Chapeau.


Astell & Kern AK T8iE /  Praxistest auf www.audisseus.de

 

  • 100 Pkte Klang
  • 95   Pkte Ausstattung
  • 95   Pkte Verarbeitung
  • 95   Pkte Bedienung
  • 95   Pkte Bassqualität
  • 100 Pkte Neutralität
  • 100 Pkte Feindynamik /
    Präzision 

 

Preis: 990,00 Euro 

Erhältlich im Fachhandel

 

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